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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 488

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 488 (sequence 62)
Language
German
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48S Jüdische Kulturromane usw. Phantasten, götzendienerische Anbeter der Erdscholle, die mit Tolstoj oder Marx unterm Arm Hirten und Bauern spielen, während die Chaluzoth sich in der Bolle der Hirtenmaid oder Kuhmagd gefallen und nebenbei für Wiener Poeten und Psycho־ analyse schwärmen, anstatt sittiglich brave Hausarbeit zu leisten. Bezeichnend für die Einseitigkeit der Verfasser ist die Be־ hauptung, sie wären in Palästina keinem Chaluz mit frohlichem Gesichte begegnet! ״Ni chez les hommes ni chez les femmes je n’ai jamais vu un sourire“ (S. 160). Sollte diese Darstellung nicht übertrieben sein — es wäre eine furchtbare Anklage! So wären alle die Photographien und Filme, die man uns von lachenden, freudeverklärten jungen Menschen mit jungen, hoffnungstrahlenden Augen jahraus, jahrein vorführte, alles nur Lug und Trug und bestellte Arbeit geschickter Propagandisten! Und alle die Schriftsteller (keine Zionisten!), die das Gegenteil aussagen, die frohe, glückhafte Arbeitsmenschen da unten gesehen haben, alles nur Schönfärber oder Narren oder Lügner! Anders spricht sich Felix Salten über die Chaluzim in seinem jüngsten Buche aus (Neue Menschen auf alter Erde, Verlag Zsolnay, Wien 1925): ״So viel ausgeglichene, nervenruhige, heitere und frohe junge Menschen habe ich nicht oft auf einem Fleck beisammen gesehen wie hier in allen Ansiedlungen״ (S. 72). Ebenso ist Arthur Holitschers Buch (Reise durch das jüdische Palästina) ein einziger Hochgesang auf das dort erblühende neue Geschlecht. Mag sein, dass den Franzosen die ruhige Sachlichkeit der Chaluzim als Trübsinn, die Unbekümmertheit und Wortkargheit der Ansiedler als Verdrossenheit und Resignation erschienen sind. Aber es macht den Eindruck, als hätten sich diese Schriftsteller diesen Teil ihrer Aufgabe gar zu leicht gemacht und als ob dies Buch sehr beäenklieh vom Geiste des selbstzufriedenen Bourgeoistums des Franzosen diktiert sei. Es mag wohl unter den jungen Poalim eine grosse Zahl Utopisten geben, die erst alle überlebten Ideale niedergehender europäischer Kultur über den Haufen zu werfen sich gedrängt fühlen, um einen Neubruch, ein neues Gerechtigkeitsideal zu schaffen — jedoch die Reinheit ihres Strebens an-

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