Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 480 (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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יו,;fl kk^•'; I Sy :?ו;} י!!). i$y׳ tm. {:;& ■!l$M: l 1:;!׳:• i ־־־,-■-I?!'1t'I־, l'pV Ü Mf 480 Vom Tanz schön, ¥ie das schneeige Lämmlein auf üppiger Wiese in seiner Zartheit und Milde. Höchstens die individuelle Charakter- Veranlagung zieht uns jeweils mehr zum einen oder anderem Die unkompliziert geschaffene Tierwelt kennt — 80 weit nicht der ״veredelnde״ menschliche Einfluss sie verderbt hat (siehe Schosshündchen) — in ihrem Sinne nur vollkommene Individuen die geradlinig ihrem Triebe nachlebend, das was sie sind, auch voll und ganz sind. ״Sich ausleben0 aber heisst ohne Hemmungen leben. Das darf der mit Körper und Geist bedachte Mensch nicht, er wollte denn zum körperlich erschöpften Asketen werden oder zum Tier. ״Mensch sein, heisst Kämpfer sein.״ (Auch unseren חכמים war die Tragik dieses Kampfes nicht fremd. אוי לי מיוצרי אוי לי מיצרי ברכות ס״א — ruft R. Simon ben Pasi aus! ״Weh’ wie steh’ ich vor meinem Schöpfer, wenn ich meinen Trieben folge und wie verfolgen mich meine Triebe, wenn ich ganz dem Schöpfer dienen will).״ Den Körper von Bewegungshemmungen befreien, bedeutet ihn von Triebhemmungen befreien. Dasselbe gilt umgekehrt. So״ finden wir — und das ist nach obigem selbstverständlich — den persönlichen Tanz als unentbehrliche Kost bei den Völkern der niedrigsten Kulturstufe besonders gepflegt. Je näher dem Tier, desto mehr tanzt ein Volk. Kultur des Tanzes ist Kultur der Sinnlichkeit (Siehe auch Wedekinds Betrachtungen über den Tanz)* Die Tanzepidemien des Mittelalters waren das Resultat eines krankhaft ungehemmten Triebauslebens. Heute drängt sich dem arglosesten Beobachter die Einsicht auf, dass ein Zusammenhang bestehen muss, zwischen den Erscheinungen der Tanzwut und der allgemeinen moralischen Zügellosigkeit unserer Nachkriegszeit. Den besonders impulsiven Wilden der heissen Zonen dienen die Tänze als Hemmungsbeseitiger, etwa wie uns der Alkohol. Dabei ist der sexuelle Einschlag vorherrschend. Von den Tänzen der Buschleute schreibt Buschan, dass sie nichts anderes seien als Nachahmung der Tierbrunst. Verwandtes sagt er vom Corroborree der Australier Von vielen anderen noch lässt sich das Gleiche oder Aehnliches behaupten. Nicht besser ist es mit unseren Gesellschaftstänzen»