Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 479 (sequence 53)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vom Tat3z 479 Wer bei der Ausübung einer Mizwoh äusserlicb eine beschleunigte Bewegung an sich verspürt, in dem wird auch in seinem Inneren eine Bewegung entfacht, die Sehnsucht und das Verlangen wächst zusehends. Doch wenn er schwerfällig in seinen körperliehen Bewegungen ist, dann werden auch die Regungen in seinem Innern langsam und schwerfällig. Das lehrt ja die Erfahrung. . . . denn die äussere Bewegung weckt die innere.״ Aus מסלת ישרים nach der Uebersetzung von Dr. J. Wohlgemuth.) Diese Tatsache ist unumstösslich, mag sie auch von schwächliehen Selbstbeobachtern nicht zugegeben werden. Nun wieder zu unserem Thema. Das erste Kriterium einer modernen Tanzbewegung ist — masslose Zügellosigkeit. Die rhytmischen Bewegungen, die' der aufmerksamere Beobachter oft wahrzunehmen Gelegenheit hat, wenn auch nur ferne Operettenmelodien erklingen — sie bestehen je nachdem, durch die durch Erziehung geübten Grade der Zurückhaltung in Bewegungen des Kopfes, Oberkörpers und Beckens — sind solch ein unbewusster, meist modernen Tanzbewegungen entlehnter Ausdruck des momentanen völlig ״Sichgehenlassens״. Ausserhalb des Tanzsaales scheinen sie selbst dem wohlerzogenen Tänzer geschmacklos. Das Bedürfnis der Selbstoffenbarung (durch Bewegung) ist physiologisch besonders stark im Affekte der Lust und Freude (der ״manisch Erregte״ fühlt sich gehoben und ist auch motorisch erregt, ״Freudentanz״). Diese intime Offenbarung wird auch heute noch aus eigenem Empfinden von vielen keusch fühlenden Frauen gescheut. (Zenius Verbergung.) Dass diese Scheu, wie manche andere, leicht verlernt werden kann, beweist garnichts gegen die Tatsache: ״ :כיון שעבר אדם עברה ושנה בה נעשית לו כהיתר יומא פ״וWer ein Unrecht wiederholt, dem scheint es als etwas Erlaubtes.״ Bei einem Individuum, dessen Veranlagung nicht so unglückselig zwiespältig ist, wie die des Menschen, imponiert das geradlinige Auswirken, (Ausleben) der nach einer Richtung orien-‘ tierten inneren Triebkräfte, geradezu als schön. Der Löwe in seiner Wildheit auf dem Boden für den er geschaffen, ist so