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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 478

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 478 (sequence 52)
Language
German
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478 Vom Tanz Zusammenhang zwischen dem Gedanken- und Gefühlsleben einerseits und den Muskelbewegungen andererseits. So paradox es auf den ersten Schein hin klingen mag, so selbstverständlich ist es jedem am Ende: Auch das Sinnliche (in der weitesten Auffassung) in uns, hat seine Geistigkeit. Ein Bezirk unseres rein geistigen Lebens ist an die Bedürfnisse des Körpers gewissermassen abgetreten. Es ist derselbe Bezirk, den das Tier überhaupt als Geistesleben besitzt. Diese, unsere unglückliche Zweiteilung in rein geistiges Seelenleben und eine sinnliche Triebsphäre ist auch die Ursache aller unserer Kämpfe mit uns selbst. ״Zwei Seelen wohnen ach in meiner Brust0. Charakteristisch für diese gesamte Triebsphäre ist es, dass sie sich nie vom Körperlichen, dem sie zugeordnet ist, ganz frei machen kann. Alle unsere sogenannten Gemütsbewegungen und Affekte, all mein Denken, dessen Bestimmung es ist, nachher irgendwie versinnlicht zu werden (z. B. das gedachte Wort, das dem gesprochenen vorangeht), haben als unabweisbare Begleitung die entsprechende gewollte und ungewollte Muskel — (sinnliche) Tätigkeit zur Folge. Die psychische Beeinflussung unseres Gefäßsystems und Herzens durch Affekte (Schweissausbruch, Erröten, Herzklopfen usw.) ist ja allgemein bekannt. Weniger bekannt, aber bezeichnend für die Beeinflussung geistigen Erfassens durch Muskelbewegungen ist es wohl, dass rein die Muskeltätigkeit des Auges uns durch die Bewegungsrichtung eine Zeichnung hervortretend oder vertieft erscheinen lässt. Einem heiseren Sänger verbietet der moderne Spezialist nicht nur das Singen, sondern auch das Anhören von Konzerten, weil er weiss, dass auch beim alleinigen Zubören der stimmbildende Apparat innerviert wird, und daher nicht in Ruhe bleibt. Die sogenannte ״Gedankenübertragung“ beruht, wie ich auch von einem vorzüglichen Experimentator selbst zugestanden hörte, auf der feinsten Beobachtung von Muskelbewegungen, ohne die nun einmal selbst der Beherrschteste sinnlich auszuführende Befehle nicht denken kann. Wir sehen: Gewisse Gedankenbezirke stehen im engsten wechselseitigen Zusammenhänge mit entsprechenden Bewegungen des Körpers. (״Umgekehrt wieder...

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