Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 475 (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Vom Tanz 475 was das Wesen des Kunstwerkes eigentlich ausmacht, aus der Freude am Erkennen. Wo die ersten zwei fehlen, hat sich der Künstler eines anziehenden und bestechenden Hilfsmittels beraubt. (Darstellung des Hässlichen). Ohne das Letzte gibt es kein Kunstwerk, höchstens Kimsthandwerk oder Spiel (Kaleidoskop, Photographie.) Dies gilt für den Kunst bet rächt er. Für den schaffenden Künstler kommt noch die Selbstoffenbarung und damit eine Selbstbefreiung als starkes Lustmoment hinzu. (Goethe erzählt bei Eckermannn, dass ihm ein Erlebnis abgetan war, wenn er es zu Fäden geschlagen). Für jede Kunstgattung im Allgemeinen und für den Tanz im Besonderen gelten die obenangeführten Grundsätze. Wir wollen hier unterscheiden zwischen ״Tanz“ und ״Tanzen*. Ersterer ist die eigentliche Kunstgattung. Von letzterem handeln wir im zweiten Teile. Es gibt Tänze, deren Lustmomente sich mit der, unter eins angeführten ״Lust am Objekt* erschöpfen, nämlich an der Erscheinung der tanzenden Person. Dass diese der Kunst nicht beigezählt werden dürfen, wird mir jeder zugeben. Sogar, falls zwei noch hinzukommt, der Rhytmus der Bewegung, bedeutet er noch kein Kunstwerk; denn Rhytmus kann auch durch die Maschine in uns ansprechender Weise geboten werden. Erst durch das Hinzukommen von drei, erst wenn er ergründende Darstellung irgend eines Erlebens oder Geschehens wird bedeutet er Kunst (Entstehung des Dramas aus dem Tanz). Thema und Vorwurf des Tanzes nun kann alles sein, was in Bewegung und mit Bewegung geschieht, denn der Tanz ist der Wesensdeuter des bewegten Geschehens, wie Malerei und und Skulptur dir Wesensdeuter dessen, was die Natur nur durch Farbe und Form gibt. Weit alles andere überragend, dominiert das geschlechtliche Geschehen als Vorwurf des Tanzes. Das muss von jedem normal fühlend veranlagten und rücksichtslos objektiven Beobachter zugegeben werden. Wenn ein so gründlicher Kenner der ganzen Materie wie Eduard Fuchs, dem Prüderie sicher nicht vorgeworfen werden kann, das Sexuelle gemeinhin als den Inhalt des Tanzes bezeichnet, möchten wir