Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 476 (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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476 Vom Tanz ihm doch nicht ganz folgen. Im Grossen und Ganzen aber muss man ihm Recht geben. — Kunst ist Wesensoffenbarung und der Künstler offenbart das Wesen, wie es ihm sich darbietet. (Individuelle Darstellung.) Erstreckt sich die Offenbarung auf das Gebiet des Geschlechtliehen, so ist es leicht begreifbar, dass eine Weltanschauung, die die Offenbarung des Intimsten am Weibe — und besonders am verehelichten — an eine fremde Allgemeinheit ablehnt, auch den öffentlichen Kunsttanz der Frau als eine Art Prostitution der Künstlerin zurückweisen wird. {Unvereinbar mit dem Mekudeschesbegriff. Mekudeschesbegriff besagt: Körperliche wie geistige intimste Offenbarung ist nur dem e i n~e n Manne gegen über gestattet. ״ .דאסד אכ״ע כהקדשJedem anderen Manne ist sie verboten, wie Heiligtum״.) Besonders ist dem Manne hier auch die ״Lust am Objekt“, die beim Tanzen ja besonders leicht hervortritt, unerlaubtes Moment. מערת לאשה מידו לידה כדי להסתכל בד, (ודרא (wer zählt) המרצה אשת איש) אפילו יש בידו תודה ומעשים טובים לא ינקה מדינה של גיהבם ברכות ס״א. Das Intime nur angedeutet ist hier schon einreissend, (Prizus). Dies muss der Fall sein, selbst wenn die Dar- Stellung eine reine und hohe ist. (Vom allgemeinen, voraussetzungslosen Standpunkte gilt: der sittliche Wert einer Darbietung hängt nur davon ab, ob sie rein sachlich geboten wird, oder mit der Tendenz Reiz auszuüben. Sachliche Darbietung kann hier nie unsittlich sein.) (Anatomischer Atlas.) Wir bemerkten aber schon, dass der Tanz uns Offenbarung der Bewegung überhaupt scheint. (Oft kann uns ja die Kunst da noch weiter führen, wo die Wissenschaft von heute schon versagt.) Er mag uns etwas ganz Geheimnisvolles, mit dem Verstände nicht Fassbares, sagen. Vielleicht erfühlen wir da etwas über den Rhytmus unseres Werdens vor der Geburt. Vielleicht wird uns hier erzählt, wie die Kräfte der Bewegung walten, wenn sie die Zellen zum wunderbaren Bau des Embryo an- und umordnen. (Hier fände die Hypothese der exakten Wissenschaften von der blitzartigen Bewegung der Moleküle