Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 464 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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464 Stehen und Sitzen usw. Bei Maimonides Hilchoth Talmud Thora 4,2 ist folgendes Resultat festgelegt: ״Wie 8011 man den Unterricht erteilen? Der Lehrer sitzt, und die Schüler umgeben ihn wie in einem Kranze, damit sie alle den Lehrer sehen und seine Worte hören können. Es soll aber der Lehrer nicht auf dem Stuhle sitzen, indes seine Schüler am Boden sitzen, sondern entweder sitzen alle auf Stühlen oder es stehen alle. Ursprünglich sass der Lehrer und die Schüler standen. Vor der Zerstörung des zweiten Tempels war es Brauch so zu lehren, dass eben der Lehrer stand und die Schüler sassen.“ Maimonides ist des historischen Zusammenhangs der Lehrmethoden mit den Zeitumständen sich noch bewusst, aber er will selbst keinerlei Unterschiede anerkennen, sondern schreibt ausnahmslos die Norm Y0r: der Lehrer steht, die Schüler sitzen. Nicht ohne Erfahrung aus dem Unterrichte begründet er dies damit, dass die Schüler den Lehrer sehen müssen und seine Worte hören müssen, dies erleichtert das Verständnis und gibt allein die Möglichkeit einer guten Aufnahme. Der כסף משגה zur St. macht im Gegensatz zum Maimonides unter Heranziehung der Quellen zunächst auf den schon in der Gern, gemachten Unterschied zwischen schwierigen und leichten Thematen aufmerksam, fügt aber von sich hinzu, dass der Lehrer verpflichtet ist, dem Schüler gleiche Ehre zu erweisen, sobald er zur Autorisation gelangt ist. Schärfer wird Maimonides durch den לחם משנה interpretiert, er kommt zu dem Ergebnis: Wenn der Lehrer auch sitzen soll, während die Schüler stehen, so ist dies nicht eine Bevorzugung des Lehrers, sondern es geschieht zum Nutzen der Schüler, die dadurch dem sich örtlich höher befindenden Lehrer besser folgen können. Würde dagegen der Lehrer auf einem Stuhle sitzen und die Schüler ihm zu Füssen am Boden, so wäre dies eine Bevorrechtigung des Lehrers und eine Benachteiligung der Schüler, die für das Lernen ohne Nutzen wäre. Die Entscheidung, die der Jore deah 246,9 fällt, lautet ähnlich wie bei Maimonides: ״Wie soll man den Unterricht erteilen? Der Lehrer sitze obenan und die Schüler mögen ihn umgeben wie in einem Kranze, damit sie ihn alle sehen und