Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 462 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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462 Stehen und Sitzen usw. wir“ (d. h. wir lassen uns von ihnen belehren) und lassen sie vor uns auf der Erde sitzen. Darauf fertigte man auch für sie Sessel an. Hier erkennt man, dass der Schüler zwar allgemein sass, dass er aber bei grosser Tüchtigkeit, d. b. wenn er bald der Autorisation würdig war, auf der gleichen Höhe wie der Lehrer sitzen durfte. Diese Schwierigkeit hat bereits der קרבן נתנאל gesehen und sie durch die Unterscheidung zu lösen versucht, dass man bei Behandlung leichter Themata stand, bei schwierigen Diskussionen aber sass. Dass man aber selbst vor Rabban Gamliels Zeiten sich nicht unbedingt daran hielt, nur stehend zu lehren und zu lernen, zeigt die Gern, in Moed katan 16b: Wenn David im Lehrhause sass, sass er nicht auf Decken und Polstern, sondern auf der Erde, denn solange sein Lehrer Ira, der Jairite lebte, lehrte er die Gelehrten sitzend auf Decken und Polstern. Als er gestorben war, lehrte David die Gelehrten, während er auf der Erde sass. Da sagten sie zu ihm, er möge sich auf Decken und Kissen setzen, aber er tat es nicht. David sass also auf der Erde wie jedenfalls seine Schüler auch. Er tat dies aber wohl nur aus persönlicher Bescheidenheit. Der talmudische Traktat Derech erez sutta 1,1 zählt zu den Eigenschaften des würdigen Gelehrtenjüngers auch die, dass er vor den Füssen der Weisen sitze. Diese Lesart יושב לפני תלי חכמים ist der anderen לפני תלמידי חכמים vorzuziehen und auch besser überliefert. Auch für die Aboth derabbi Nathan steht diese Norm fest. 6,2 heisst es dort: wenn ein Gelehrter in die Stadt kommt, so sage nicht: ich brauche ihn nicht (will heissen, ich will ihn nicht hören), sondern gehe zu ihm, setze dich aber nicht zu ihm, nicht auf das Lager, nicht auf das Polster, nicht auf den Sessel, sondern sitze vor ihm auf der Erde, das bedeutet auch die Forderung: bestaube dich mit dem Staub ihrer Füsse. So erzählt auch Kethuboth 106 a: wenn die Gelehrten aus der Schule des R. Huna aufstanden und ihre Mäntel, auf denen sie am Boden sassen, ausschüttelten, stieg der Staub in die Höhe und bedeckte die Sonne (d h. die Staubwolke verfinsterte den Tag).