Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 447

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 447 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2292929-2293034-2293041--07942-2301224
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Die neuesten Kämpfe usw. 447 diese Bücher nun gleichzeitig mit den historischen Büchern, den poetischen Schriften und der Weisheitsliteratur des kanonischen A. Ts. entstanden? Diese Frage stellen heisst auch, sie zugleich verneinen. Man vergleiche doch nur, wenn es eines Beispiels ' bedürfen sollte, das Buch der Genesis mit dem Buch der Jubiläen, das Buch der Proverbien mit den Sprüchen von Jesus Sirach und der Weisheit Salomonis! Aber Derjugin wagt doch zu behaupten: ״Die Grundidee des A. Ts. ist zweifellos das Bestreben, das Hecht der Juden auf die Kultur überhaupt und auf die eigene, hebräische, im besonderen, zu erweisen“ (S. 19). ״Der Begriff Kultur ist in der Vorstellung jener Zeit ein Synonym für Altertümlichkeit. Diese Tendenz zieht sich als roter Faden durch den ganzen Text.“ Jedoch dies tut jene Tendenz nur für den, der die altisraelitischen Geschichtsbücher mit der Voraussetzung ansieht, dass jene Tendenz in ihnen ausgeprägt sei. Nur der wird mit Derjugin zu behaupten wagen, dass aus jener Tendenz der Stammvater der Juden (Sem) als ein Bruder des Stammvaters der Griechen (Japheth) erdichtet worden sei. Wie geistreich ist auch z. B. folgende Aufstellung! Ein Gegenstand besonderer Angriffe der Griechen gegenüber den Juden sei ihr Aufenthalt in Aegypten gewesen. Deshalb hätten die Juden ihre einstmalige Einwanderung zu Josephs Zeit nach Aegypten erdichtet. Wer so etwas zu schreiben wagt, hat keine Vor- Stellung von den Tatsachen, welche für die Geschichtlichkeit der Schicksale Josephs und überhaupt für den hohen Grad von Zuverlässigkeit sprechen, welcher der altisraelitischen Geschichts- Schreibung zukommt (vgl. meinen Genesiskommentar 1925, 5*1 ff., 81 ff., ferner bei 12,1; SO, 24; 37,2; 39,1). Ein solcher Skribent hat überhaupt noch nicht bedacht, welche Unnatürlichkeit in der Behauptung liegt, dass ein Darsteller der Geschichte seines Volkes sich eine schmähliche Periode, wie die Knechtschaft in Aegypten, ausgesonnen und in die Vergangenheit seines Volkes hineingezeichnet habe. Wie unnatürlich ist auch die Voraussetzung, dass bei der Erdichtung der vergangenen Geschichte Israels das fortgesetzte Widerstreben der Vorfahren

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.