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Jeschurun · 1925-11-01 · Heft 11-12 (November 1925) · p. Seite 443

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 11-12 (November 1925)
Date
1925-11-01
Page
Seite 443 (sequence 17)
Language
German
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Die Einstellung der Amoraim usw. 443 zuheben, welche unseren Weisen seitens nichtjüdischer Leser günstige Urteile sichern sollen. Wir wissen genau, dass es Zeiten und Länder gab, in denen unsere Grossen mit Recht manch herbes Wort über die Verfolger Israels sprachen. Der Zweck unserer Ausführungen ist kein apologetischer. Wir wollten nur zeigen, wie unsere Meister der Lehre in Zeiten des Verhältnismassig friedlichen Zusammenlebens mit heidnischen Völkern die Beziehungen zu ihnen in Tat und Wort zu gestalten und zu begründen suchten48). Wir sahen, dass sie sich nicht damit begnügten, das Verhältnis des jüdischen Volkes zu den anderen Nationen als ein in seiner Tatsächlichkeit gegebenes hinzunehmen; sie waren bestrebt, die religionsgesetzlichen Voraussetzungen für dieses Verhältnis festzustellen und seine geistige und sittliche Wertung zu finden49). Nur so war und ist es möglich, unter Wahrung der Selbstachtung das Zusammenleben Israels mit den Völkern gesund und für beide Seiten fördernd zu gestalten. Ein Volk, dessen Geschick für so viele Jahrhunderte die Zer- Streuung unter anderen Völkern wurde, konnte vor sich und der Aussenwelt nur dadurch ehrlich bestehen, dass es suchte, die Bedingungen der eigenen Existenz und des Verhältnisses zur Umwelt mit aller Klarheit zu erfassen. Die sittliche und praktische Grundlage hierfür war und ist: die selbstbewusste, aber 4s) Wenn Mommsen (Rom. Gesch V8, S. 551 f.) gerade das dritte Jahrhundert als die Zeit der Verschärfung des;Gegensatzes zwischen Juden und Nichtjuden betrachtet, so entspricht diese Meinung nicht den Tatsachen. Das erste Jahrhundert, die Zeit der Bedrückung durch die römischen Landpfleger, der Tempelzerstörung und der mit ihr verbundenen Leiden, sowie die Trajanischen und Hadrianisehen Verfolgungen im zweiten Jahrhundert vergrösserten die Kluft zwischen den Juden und der griechisch-römischen Kulturwelt. Das dritte Jahrhundert brachte wieder eine Annäherung. Erst die Verfolgungssucht des Christlieh gewordenen Roms im vierten Jahrhundert bewirkte auch auf jüdischer Seite die immer stärker werdende Abschliessung von der Umwelt. 49) Es ist bemerkenswert, dass der Babylonier Mar Samuel die praktisch - religiöse Seite dieses Verhältnisses begründete, während die theoretische Stellungsnahme mehr bei dem Palästinenser R. Jochanan und seinem Schüler R. Elasar zu beachten ist.

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