Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 11-12 (November 1925)
- Date
- 1925-11-01
- Page
- Seite 439 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Einstellung des Amoraim usw. 439 Es ist natürlich, dass die tatsächlichen Verhältnisse die Ideologie beeinflussen. Das ist nicht etwa in dem Sinne, dass diese sich ihnen unterwirft, gewissermassen Opportunitätspölitik zu Liebe Prinzipien aufgibt, sondern bestimmte Ideenkomplexe, welche unter früheren Verhältnissen keine Taten erzeugen konnten und deshalb gebunden waren, werden jetzt gelöst, während andere bisher vorherrschende Gedanken an Bedeutung einbüssen und zurücktreten. Die Aenderung der Einstellung zu einzelnen Dingen braucht durchaus nicht Aufgabe einer grundsätzlichen Gedankenrichtung zu sein. Sie kann lediglich die den jetzigen Verhältnissen entsprechende Betonung von bisher nicht aktuellen und darum nicht beachteten Momenten sein. Sie widersprechen den Grundanschauungen nicht, vielleicht sind sie gerade eine jetzt notwendig gewordene Auswirkung derselben und harrten unter der Schwelle des Bewusstseins ihrer Zeit. So sehen wir auch in den verschiedenen Aulfassungen über das Verhältnis Israels zu den Völkern keine Widersprüche, sondern jeweilige Reaktionen gleicher Grundanschauung auf veränderte Lagen. Keineswegs war im dritten Jahrhundert vergessen, was man von Rom erlitten hatte. In schmerzlicher Erinnerung an die schweren Verfolgungen des vorigen Jahrhunderts ruft R. Jochanan aus : ״Wehe den Völkern, für die es keine Wiedergutmachung gibt. Wohl heisst es: ״Statt des Kupfers bringe ich Gold, und statt des Eisens bringe ich Silber, und statt des Holzes Kupfer und statt der Steine Eisen*, aber was können sie als Ersatz für R. Akiba und seine Gefährten bringen? Und in Bezug auf diese heisst es: ״Und wenn ich auch die Strafe erlasse, ihr Blut kann ich nicht ungesühnt lassen84״). R. Jochanan betonte auch den Vorzug Israels vor den Völkern, den es dem gttlichen Gesetze verdankte. Während Israel am Sinai die Tora freudig annahm, lehnten sie die anderen Nationen ab; 80 konnten sie sich nicht gleich Israel von der Unreinheit befreien, die dem Menschengeschlechte anhaftete, seitdem die B. b. 23 a.