Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 380 (sequence 46)
- Language
- German
- Belongs to
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380 Jüdische Kulturromane usw. und eines lebensfähigen Handels nach Innen und Aussen bis vor Kriegsausbruch hatten (dies geben die Verfasser an anderer Stelle ja selbst zu, s. 0.), weiss, dass gerade der Bauernstand ohne Kapital und ohne finanztechnische Beratung seiner neugewonnenen Freiheit aus Leibeigenschaft (1867) niemals Nutzen gezogen hätte ohne Mithilfe der Juden. — Und wenn die Verfasser die Juden anklagen, sie hätten die Landj u n k e r vielfach durch allzuleichtwillige Kapitalanleihen ihrer Güter beraubt und sich selbst zu Grossgrundbesitzern und Herren des Landes gemacht, — so iiesee sich statistisch mit Leichtigkeit die Haltlosigkeit solcher Beschuldigungen beweisen und zeigen, wie verhältnismässig, wie verschwindend klein die Zahl jüdischer Grossgrundbesitzer im früheren und jetzigen Ungarn war und ist (kleinere Gutsbesitzer und jüdische Bauern sind nicht selten), wie dagegen nur Gross-Adel und Kirchenfürsten, Magnaten und Notabein noch heute die einzigen Latifundienbesitzer, die wahren Nutzniesser und Aussauger des Kieinbauernstandes waren und geblieben sind. Die Verfasser geben selbst wiederholt zu, dass der ungarische Bauer und Grundbesitzer seiner Natur nach wenig arbeitsam, wenig spekulativ veranlagt ist: Ist es da zu verwundern oder als schwere Schuld den Juden anzurechnen, dass sie sich den Quietismus, die Indolenz des Ungarn zunutze gemacht, dass sie die Ein- und Ausfuhr von Wein, Korn- und Obstfrüchten organisiert und auf eine neue Basis gestellt und so ihm und sich selbst zum Aufschwung verholfen haben? Was andres tun die grossen Kolonisatoren England, Frankreich, Holland im fernen Asien, Afrika und anderswo? Und fragt man gar nach dem faktischen Anteil der Juden an der Kulturhebung Ungarns, nach ihrem Anteil an Kunst und Literatur (Josef Kisch, Herczeg, Molnär u♦ a.) und Wissenschaft (Vämbery, Goldziher, Heinrich, Patai und viele andere) — wer hätte die Stirn, ihre Pionierdienste an dem gewaltigen Kulturaufstieg Ungarns in den letzten fünfzig Jahren zu leugnen! (Einzelheiten hier aufzuführen, würde eine besondere Studie erfordern.) Nur ein Zeugnis des grossen ungarischen Dichters