Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 379 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Jüdische Kulturromane usw. 379 die Juden alles in schönster Ordnung sich mit Leichtigkeit eingerenkt hätte. Als ob nicht Ungarn, ja fast halb Europa nach dem Kriege und durch ihn ein einziger Flammenherd gewesen wäre! Es ist eine Fälschung der Tatsachen, nur die Juden in ihrer Gesamtheit für die Greueltaten entfesselter Kommunistenhorden verantwortlich zu machen, und es ist unstatthaft, hierbei nach rassenideoiogischen Urinstinkten zu schnüffeln! Ebenso wie es heller Wahnwitz wäre, die französischen Encyelopädisten, Diderot, d’Alembert, Voltaire, Rousseau für die Ausschreitungen der französischen Girondisten verantwortlich zu machen! Es ist eine Behauptung wahnwitziger Hetzverleumdung, dass der Terror, die Propaganda der Tat, der Anarchismus1) spezifisch jüdischem Geiste ent- Sprüngen sei! Was aber zum schärfsten Widerspruch in diesem Buche herausfordert und jeden Kenner der ungarischen Judenheit am tiefsten beleidigen muss, das ist die skrupellose Behauptung der Verfasser, die Gesamtheit der ungarischen Judenheit hätte Ungarns Kultur verfälscht und vernichtet, sie wären schon vor dem Kriege ein Unsegen für das Land gewesen, sie wären schon vor der durch den Weltkrieg und den verhängnisvollen Friedens- Schluss von Trianon verursachten Katastrophe an dem Niedergang Ungarns, an der Verarmung des Bauern- und Mittel- Standes schuld gewesen! Weiss der Himmel, welche rassengläubigen Klerikalen oder adligen Kreise dem Verfasser diesen Bären aufgebunden haben! Jeder Unvoreingenommene und mit der Entwicklungsgeschichte Ungarns halbwegs Vertraute weiss es, welch hervorragenden, vielleicht entscheidenden Anteil die Juden in Ungarn an der Hebung der Volkswirtschaft und der Finanzen, an der Entstehung und Entwicklung einer Industrie *) Der geistige Vater des Anarchismus ist William Godwin mit seinem Werk: On political Justice, erschienen 1794, und Max Stirne r mit seinem Werk: Der Einzige und sein Eigentum, erschienen 1845; beides Nichtjuden.