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Jeschurun · 1925-09-01 · Heft 9-10 (September 1925) · p. Seite 374

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 9-10 (September 1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 374 (sequence 40)
Language
German
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374 Jüdische Kulturromane usw. Weiter: Es ist schlimmstes bösartiges Phrasentum, von dem Orczi-Haus in Budapest, dieser armseligen Zufluchtsstatte Tausender Judenflüchtlinge, zu sprechen als von ״le symbole de l’ascension triomphante de la juiverie de Pest“ (p. 99). Dies schmeckt bedenklich nach bombastischem und berüchtigtem Eisenmengerstil. Doch es bleibt nicht bei diesen kleinkalibrigen Anklagen; das ganze Buch gipfelt in der einen furchtbaren Anklage: Die Juden sind schuld an dem jetzigen Zusammenbruch Ungarns! Sie waren es, die seinen geistigen, moralischen, wirtschaftlichen Ruin vorbereitet und nach dem Kriege (durch die Kommunistenherrscbaft Kun-Samue]y} vollendet haben! Die Geschichtsklitterungen und Konstruktionen, die die Verfasser zur Aufstellung und Aufrechthaltung dieses methodischen Wahnsinns vornehmen, verdienen in Deutschland besondere Beachtung. Die Verfasser behaupten nämlich, durch jahrzehntelangen deutsch-jüdischen Einfluss vor dem Kriege sei Ungarn, das in früheren Jahrhunderten französisehe Ideale in Leben und Literatur angebetet hatte, unter die Hörigkeit des Dreibundes gelangt und sei so seinem Untergange entgegengesteuert. (Also war der Dreibund ein jüdisches Elaborat!) Ursprünglich sei — noch im 18. Jahrhundert — Ungarn ein patriarchalisches, ackerbautreibendes, friedliches Hirtenvolk, mit strenger Scheidung der Stände gewesen (das ist wahr), die Grossmagnaten seien die fürsorgenden Väter ihres Bezirks gewesen (das ist fast unwahr!), und die besten intellektuellen und moralischen Traditionen hätten sich auf diese Weise im Volke forterhalten. Ein Petöfi, ein Arany, ein Jokai hätten noch diese bukolischen Flötentöne auf das idyllische Ungarn angestimmt. — Doch mit den achtziger, neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts sei es ganz anders geworden, seitdem der deutsche Einfluss in Ungarn herrschend wurde. Hunderte von Studenten seien mit deutschen Stipendien versehen zwangsweise auf deutsche Universitäten gejagt worden. (Mir ist keine einzige solche zwangsweise Ueberführung mit deutschem Gelde bekannt!) Dort auf deutschem Bildungsboden habe

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