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Jeschurun · 1925-09-01 · Heft 9-10 (September 1925) · p. Seite 373

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 9-10 (September 1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 373 (sequence 39)
Language
German
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Jüdische Knlturromane usw. 873 und Anstiften von Juden zu ermorden! Dieser ungeheuerlicheD, unbeweisbaren Behauptung widmet der Verfasser ein ganzes Kapitel (Le meurtre du comte Tisza). Es ist hier ganz überflüssig, auf die Schilderung der Einzelheiten des Mordes und dessen politischer Motivierung, wie das Buch sie zusammenkleistert, des näheren einzugehen. Das hier zusammengetragene Material macht den Eindruck niedrigsten Hofklatsches und sensationell-kitschigen Pasquillantentums und mag lediglich auf Zuträgereien engstirniger judenhetzerischer Magnaten beruhen. Mag sein, dass auch Meuterer jüdischer Abstammung sich unter den Mördern Tiszas befunden haben oder dass einzelne aus russischer Gefangenschaft zurückgekehrte junge Juden zu den geistigen Urhebern dieses Attentats gehörten. Aberweich wahnwitzige Behauptung, die gesamte Judenheit Ungarns hätte ein spezielles Interesse an der Beseitigung des wegen seiner reaktionären Neigungen bekannten Staatsmanns gehabt1), und hätte, aus irgendeinem geheimen Bache- oder Umsturzbedürfnis, auf dessen Ermordung planmässig und skrupellos von langer Hand hingearbeitet! Als läge es den oder dem Juden im Blute, überall durch geschickte Handstreiche in Uebergangszeiten den Aufruhr und Umsturz heraufzubeschwören! Dies Blutmärchen von der Ermordung Tiszas auf jüdisches Anstiften mag dem überhitzten Hirne ungarischer Weissgardisten entsprungen und den leichtgläubigen Verfassern aufgebunden worden sein. Es ist aber sträflicher Leichtsinn oder böse Absicht oder beides, solche Ammenmärchen kritiklos in belletristischem Format (das Buch hat schon die 51. Auflage erlebt!) dem sensationslüsternen Pariser Boulevard-Publikum vorzusetzen und durch ganz Europa zu schleifen. J) St. Tisza musste wegen seines Widerstandes gegen die Einführung des allgemeinen Wahlrechts am 22. Mai 1917 als Ministerpräsident zurücktreten. Bei Kriegsausbruch widerriet er den Krieg, musste aber der Militärpartei nachgeben und tat später, als die Kriegspartei immer mehr die Oberhand gewann, sein möglichstes, um den Krieg siegreich zu Ende zu führen; kein Wunder also, dass die Kommunisten in seiner Person den Hort des Militarismus und der Volksbedrückung erblickten.

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