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Jeschurun · 1925-09-01 · Heft 9-10 (September 1925) · p. Seite 367

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 9-10 (September 1925)
Date
1925-09-01
Page
Seite 367 (sequence 33)
Language
German
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Jüdische Kulturrom an e u8w. 367 im ödst täten; die Welt der Mystik tat sich ihnen auf, und die Brücke zwischen ü otermenscbiichem imdGöttlich-Uebernatürlichem wird geschlagen. Bei diesem Dithyrambus auf den Wundertäter Baal-Sehern und die Gottesnähe der Sohar-Anbeter geht es natürlich nicht ohne einige Seitenhiebe auf den lebensfremden Talmud und seine verknöcherten Ausleger ab, eine Melodie, deren Töne uns ja von jüdischen Fanatikern und Historikern der Aufklärungszeit sattsam vertraut sind. Alles in allem: auch dieser zweite Band des Romanwerks bringt eine Fülle von kultur-historisch Lesenswertem nnd psychologisch scharf Gesehenem, kein Leser wird das Buch ohne innere Bereicherung aus der Hand legen. — Dennoch aber bleibt schon hier für den Nachdenklichen eine Bitternis zurück: Man fragt sich befremdet: Ist das wirklich die Wahrheit über die Ukraine, geht es wirklich so harmlos jetzt da zu, wie es die Verfasser darstellen? Liege□ die Schrecken schon so weit zurück? Hat sich die Lage für die Juden dort schon so verbessert, dass das meminisse iuvabit schon an der Zeit ist? Hören und lesen wir nicht noch heute wie früher von den täglichen Drangsalen und Quälereien, denen unsre Brüder dort ausgesetzt sind? Ist es da schon an der Zeit, die unsagbaren Leiden von ehemals zu einer Idylle, zu einem harmlosen Scherzbilde zu verflüchtigen? Ist vielmehr eine solche Verniedlichung der Leidensgeschichte eines Volkes nicht geeignet, ganz falsche Vorstellungen bei den Völkern Europas über das wahre Mass der Leiden der ukrainischen Judenheit aufkommen zu lassen? Beinahe hätte man gewünscht, dass diese Groteske jüdisch-ukrainischer Leidensgeschichte ungeschrieben geblieben wäre. Dies wäre, 80 sagt unser Gefühl, edelmütiger und menschlich grösser als dieser literarische Bucherfolg gewesen. Oder liegt dem Buche eine bestimmte Absicht, Tendenz zu Grunde? Vielleicht gibt uns die Besprechung der noch folgenden zwei Bände den Schlüssel.

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