Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 345 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Leben, Natur, Religion 345 ablaufs (hier des auf dem Wahrscheinlichkeitsgesetz als regulativem Prinzip ruhenden Uebergangs der Wärme von einem Zimmer in das andere) zu betrachten sind. Es liegt nahe in analoger Weise auch die uns überhaupt bekannten naturgesetzliehen Geschehnisse als Einzelvorgänge aufzufassen, die sich einem höheren, uns unbekannten und vielleicht der menschlichen Erkenntnis überhaupt unzugänglichen regulativen Prinzip unterordnen. „Wie der Wahrscheinlichkeitsprozess der Wärmeleitung (mikroskopisch gesehen, wie Planck sagt) sich zusammensetzt aus einer sehr grossen Zahl mikroskopisch gesehener Molekularbewegungen, deren jede ein Kausalitätsprozess ist — deren Gesamtheit aber durch die Wahrscheinlichkeit zum Leitungsvorgang geordnet und gerichtet ist —, so mögen die unzähligen einzelnen Naturvorgänge, die, untereinander nicht verbunden, in der Welt ablaufen, nun wieder das mikroskopische Substrat eines Gesamtablaufs werden, von dem höheren Standort aus“. (Dessauer, S. 99) * * * Die letzte Bemerkung leitet über zu einem zweiten von Dessauer angeführten Einzelbeispiel, das als Vorbild charakteristisch und fruchtbar ist. Ein Naturforscher beobachte öfters das Spiel eines Harfenspielers. Er bemerkt, wie Bewegungsenergie, von Muskelarbeit des Spielers stammend, die Saiten bewegt und diese Energie, abgesehen von einem sich in Wärme verwandelnden Bruchteil, in Luftwellen übergeht, die vom Ohr wie auch von Apparaten registriert werden können. Der Beobachter kann mit feinen Apparaten feststellen, dass der Energienumsatz so vor sich geht, wie es das Gesetz von der Erhaltung der Energie und der Entropiesatz aussprechen, und er kann das, vras die Musik als Tonhöhe, Klangfarbe, Intervall der Töne usw. bezeichnet, durch Feststellung der Schwingungszahlen jener Luftwellen und anderer Daten ermitteln. Ist der Beobachter, wie wir annehmen, zwar physikalisch völlig auf der Höhe, aber durchaus unmusikalisch, so wird er nach einer Reihe ähnlicher Feststellungen und ihrer mathematischen Formulierung zu dem Ergebnis kommen, er habe den Vorgang völlig