Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 344 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293040--07818-2301100- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
844 Lehen, Natur, Religion unendliche Zeitdauer gültig ist (ganz abgesehen davon, dass bei solcher Anwendung auch noch ganz andere physikalische Faktoren in das allzubequeme Bild vom Wärmetod eingreifen und es grundlegend verändern können). Es ist nun, so sehr praktisch eine Wahrscheinlichkeit von enormer Grössenordnung mit Sicherheit zusammenfällt, theoretisch doch ein grosser Unterschied, ja sogar eine unüberbrückbare Kluft zwischen beiden. Die strenge Kausalität, wie sie auf Grund der Gesetze der Mechanik sowohl die Bewegung der Himmelskörper als auch die jedes einzelnen Moleküls in dem Luftraum unserer Zimmer bestimmt, kennt keine Ausnahmen; eine Durchbrechung in einem einzigen Fall würde die Naturwissenschaft ihrer Grundlage berauben. Dagegen sind — auch ohne einen „Maxwellschen Dämon“, der etwa die Fähigkeit hätte die raschen Moleküle aus den langsamen herauszufischen und so aus einem Gas einheitlicher Temperatur einen kalten und einen warmen Teil hervorzubringen — auch an und für sich selbst äusserst unwahrscheinliche Prozesse immerhin möglich, obgleich sie im praktischen Leben als „Wunder“ bezeichnet würden. Wenn etwa ein am Boden liegendes Brett sich entgegen der Schwerkraft aufwärts bewegte, so hätten wir eine solche scheinbar unmögliche Tatsache vor uns, die dennoch in dem — freilich äusserst unwahrscheinlichen Fall — eintreten muss, wenn eine genügend überwiegende Anzahl von Luftmolekülen unter dem Brett gerade die Bewegungsrichtung von unten nach oben (unter allen möglichen an sich gleichberechtigten Richtungen) bevorzugen sollte. Die Nutzanwendung für religiöse Anschauungen und Probleme liegt wohl nahe genug, um hier einer Ausführung nicht zu bedürfen. Es sei nur noch auf die Verallgemeinerungsfähigkeit der Betrachtung hingewiesen: sie zeigt letzten Endes, wie naturgesetzliche Ereignisse (hier die reversiblen Bewegungen der Moleküle), die physikalisch eindeutig festgelegt sind und für ein weiteres Gesetz über sie zunächst gar keinen Raum zu lassen scheinen, als Einzelvorgänge eines umfassenderen und ganz andersartigen (z. B. irreversiblen Charakter tragenden) Natur-