Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 342 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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842 Leben, Natur, Religion schriebenen Zimmern zu erwartenden Vorgang — gesetzmäßig vorauszuberechnen, wäre es der Anzahl der Moleküle wegen praktisch aussichtslos, das Bewegungsgesetz jedes einzelnen Moleküls zu studieren — selbst wenn der Zustand all dieser Moleküle in einem gewissen Ausgangsmoment bekannt wäie, was natürlich nicht der Fall ist. Dennoch lässt sich die Berechnung vornehmen und zwar mit dem nämlichen Mittei, mit dem der Bankhalter einer Spielbank seine Gewinne auf grosse Zeiträume hinaus ungefähr abschätzen kann: mit dem Mittel der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Wäre nämlich im einen Zimmer nur ein einziges Molekül, im anderen etwa gar keines vorhanden, so wird nach einer bestimmten Zeit das Molekül, wenn die Zimmer beispielsweise gleichgross sind, mit ungefähr gleicher Wahrscheinlichkeit sich im einen oder im anderen Zimmer befinden; wären in jedem Zimmer im Anfang je 1000 Moleküle, so würde es schon äusserst unwahrscheinlich sein, dass nach einem Zeiträume regellosen Umherschwrirrens in den zu einem einzigen Raum vereinigten Zimmern sich wieder gerade die ursprünglichen Moleküle in den Raumteilea wiederfinden, die den alten Zimmern entsprechen: diese Unwahrscheinlichkeit steigt ins Unvorstellbare (wenn auch — durch einen Bruch mit märchenhaft grossem Nenner — Angebbare), wenn man die Zahl der wirklich vorhandenen Moleküre einsetzt und verlangt, dass sieb, wenn nicht gerade die ursprünglichen Moleküle, so doch die ursprünglichen Geschwindigkeiten der Moleküle hier wie dort (mindestens im Mittel) wieder ergeben sollen. Umgekehrt kann man nach dem wahrscheinlichsten Zustand fragen, der sich nach einer gewissen Zeit (von der Oeffnung der Türe an gerechnet) auf Grund der unvorstellbar vielen Zusammenstösse der nach Art von Billardkugeln gegeneinander prallenden Moleküle beider|Zimmer ergeben wird - genau wie man bei einer sehr grossen Zahl von Würfel- oder Roulettepartien das ungefähre Gesamtergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit vorausberechnen kann. Die Rechnung ergibt, dass nach verhältnismässig geringer Zeit durch die Zusammenstösse der (im Mittel) schnelleren Moleküle des wärmeren und der langsameren Moleküle des