Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 9-10 (September 1925)
- Date
- 1925-09-01
- Page
- Seite 341 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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I i Leben, Natur, Religion 341 entsprechender Abkühlung), das andere Zimmer mittels der freiwerdenden Wärmeenergie auf seine alte (höhere) Temperatur zu bringen1). Eine der wichtigsten und im grossen ganzen erfolggekrönten Tendenzen der Physik geht dahin, die Gesamtheit aller physikalischen Prozesse auf eine einzige Grundform zurückzuführen (früher auf die der Bewegung, dann auf die Prozesse der Elektrodynamik). Soll das möglich sein, so müssen alle Prozesse — gleich der Grundform — entweder reversibel oder irreversibel sein. Wie lässt sich also, wenn man nicht die Einheitlichkeit des physikalischen Weltbildes opfern will, das gleichzeitige Vorkommen reversibler und irreversibler Prozesse erklären? Auf diese Frage antwortet die der Generation von Clausius bis Boltzmannzu verdankende kinetische Gastheorie, dass in Wirklichkeit die physikalischen Vorgänge reversibel sind und die Irreversibilität prinzipiell nur eine scheinbare, wiewohl praktisch vorhanden ist. Der Sachverhalt lässt sich unter einigen Vereinfachungen wohl auch in Kürze einigermassen verständlich darstellen. Ein Gasvolumen, wie z. B. der Luftinhalt eines Zimmers, ist zu denken als ein System von ungeheuer vielen rasch durcheinander schwirrenden Teilchen (Molekülen), vergleichbar einem Schwarm von unvorstellbar vielen Mücken, die regellos und mit grosser Geschwindigkeit (bei Zimmertemperatur mehr als 100 Meter in der Sekunde) durcheinander sausen, aber nie weit gelangen, da sie zahllose Zusammenstösse an einander erleiden und durch jeden abgelenkt werden. Die Summe der Bewegungsenergien der bewegten Moleküle stellt die Wärmeenergie dar; bei einem warmen Gas ist im Mittel die Geschwindigkeit der (im einzelnen natürlich verschieden schnellen) Moleküle grösser als bei einem kühlen. Um nun das physikalische Verhalten eines solchen Gasvolumens — z. B. den bei Oeffuung der Türe zwischen den be- *) Wäre ohne Energieaufwand von aussen ein solcher Vorgang möglich, so könnte man ein „Perpetuum mobile 2. Art“ hersteilen, z. B. durch Abkühlung des gesamten Weltmeeres um einen Grad sich unermessliche Energiemengen verschaffen.