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Jeschurun · 1925-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1925) · p. Seite 335

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 335 (sequence 77)
Language
German
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Bücherbesprechungen 335 Sprache eingedrungen ist. Der Versuch, durch die wesenhafte Einheit aller Sprachen, durch die Behauptung, dass alle Sprachen, die je gesprochen sind und je gesprochen werden, wenigstens keimhaft in der fremden in der man übersetzt, enthalten sind, zu begründen, dass der fremde Dichter nicht bloss das, was er selber zu sagen hat, in die neue Sprache hineinspricht, sondern die Erbschaft des allgemeinen Sprachgeistes seiner Sprache zu der neuen mitbringt, sodass hier nicht bloss eine Erneuerung der Sprache durch den fremden Menschen, sondern durch den fremden Sprachgeist selbst geschieht — das alles klingt reichlich mystiseh. Unserer Ueberzeugung nach ist es nicht so, dass dem Leser der Uebersetzung durch möglichste Nachahmung des Originals der Geist des fremden Dichters näher gerückt werden kann. Gerade das Beispiel von Luther, das R. mit solchem Nachdruck vorführt, beweist das Gegenteil: R. rührt daran, stellt es aber nicht genügend in den Vordergrund! Welchen Spott giesst Luther in einer seiner Tischreden aus über die wörtliche Wiedergabe des ex abundantia cordis os fl. ״aus dem Ueberschuss des Herzens fliesst der Mund“ and wie echt und zutreffend ist dann seine Uebersetzung: ״Wes das Herz voll ist, davon fliesst der Mund über“. Nein, die ideale Aufgabe des Uebersetzers bleibt es immer noch, den Versuch zu machen, den Gedanken und die Form des Originals so wiederzugeben, wie es der fremde Dichter getan, wenn er in der Sprache des Uebersetzers gedichtet hätte. Dass dies fast nie gelingt, weil eben der üebersetzer ein kongenialer Dichter sein müsste, das steht auf einem andern Brett. Moritz Lazarus schrieb mir auf Anlass meiner mit I. Bleichrode zusammen herausgegebenen Pentateuch- Übersetzung: Jede wirklich gelungene Uebersetzung sei Sache der Intuition. Man müsste eine Zentrale schaffen, an die Lösungen zu senden wären, die in einem glücklichen Augenblick des Einswerdens unseres Geistes mit dem der biblischen Autoren wie blitzartig uns durchzuckt. — Und in Wahrheit gibt ja auch Rosenzweig nur einen Jehuda Halevi, wie er unter dem Einfluss der Neubildung der deutschen Dichtersprache durch einen Stephan George gedichtet hätte Mit der Nachahmung der Reim- und Metrumform hat Rosenzweig sich (ähnlich, wie Heller, der übrigens von der commuDis opinio, soweit mir bekannt, nicht als ״ungeniessbar“ angesehen wird) eine dankenswerte Mühe auferlegt. Es wird dadurch bewirkt, dass die Dichtungsart Jehuda Halevis dem Leser, der das Original nicht kennt, völlig fremd anmutet, dass er weiss, Jehuda Halevi hat eben nicht so gedichtet wie die antiken, die mittelalterlichen, europäischen, die modernen Dichter. Ob ihm aber wirklich das Wesen dieser Dichtung darum in höherer Weise aufgeht, wage ich zu bezweifeln. Für den Musivstil, den ganz besonderen Schmelz dieser Dichterblüten, wird R. wohl selbst resignieren. (Hier ist die Uebersetzung der Zionide ein geradezu klassischer Beweis.) Also gälte auch für R. das Motto aus Stollberg’s Iliasübersetzung, das er seinem ״Nachwort" voranstellt: ״O lieber Leser, lerne Griechisch and wirf meine Uebersetzung ins Feuer"? Ich meine nur der erste Teil des Motto. Und das ist wohl das höchste Lob, if!. \ ijf i ׳ [• \ l ■ :l 11; 1

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