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Jeschurun · 1925-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1925) · p. Seite 328

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 328 (sequence 70)
Language
German
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328 Die religiöse Tat jedesmal, wenn ein Befehl gegeben wird, sich mit dem Kinde in eine Diskussion einzulassen, ob dieser wirklich zu liecht besteht oder nicht. (Es ist dies schon praktisch nicht möglich.) Durch eine solche Methode wird nämlich nicht der Charakter des Kindes gebildet, sondern es werden ihm höchstens bestimmte Handlungen oder Charakterzüge anerzogen. ״Du musst (besser: du sollst wollen), weil ich (ein höherer Wille, Gott,) will. ״ Mit diesen Worten muss jeder diesbezügliche Wortwechsel abgetan sein. Durch ein solches absolutistisches Regime, dass mit ruhiger Strenge, Konsequenz und Ausdauer durchgeführt wird, wird in allen normalen Fällen das Ziel erreicht, d. h. der zu Erziehende lernt, auf die Unbedingtheit des Durehsetzens seines eigenen Willens zu verzichten. Vgl. Krügers Roman מ Gottfried Kämpfer״, wo in wundervoller Weise geschildert wird, wie der Vater in furchtbar schwerem Kampfe den wilden Trotz seines Jungen bricht — mit der grössten Gewalt und mit dem grössten Erfolge. 10. Aber wenn auch der Wille zum Eigenwillen gebrochen ist, so wirkt doch noch ein anderer Wille oder, sagen wir besser, der Wille in anderer Form weiter: er soll und muss weiterwirken, wenn aus dem Menschen nicht ein willenloses Werkzeug seines Erziehers, seiner Umgebung werden 8011. Der Eigenwille musste zuerst gebrochen werden, weil er von vorneherein, ohne irgendeinen Grund, eine durchaus feindliche Stellung gegen jede irgendwie geartete Beeinflussung, Beherrschung und Bezwingung seiner selbst von aussen her einnimmt. Ihn von dieser ,Voreingenommenheit״ zu befreien, ihn zu ״neutralisieren״, ihn von der Hemmung, die eine objektive Entscheidung unterbindet, zu befreien, war der Zweck des Willenszwanges. Die grösste Bindung des menschlichen Willens ist sein Wille, frei zu sein. Nimmst du ihm diese Bindung, dann ist er frei — erst dann. Ist aber der Wille des Menschen einmal ״neutralisiert״, so ist der (für Subjekt und Objekt in gleicher Weise) schwerste

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