Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 327 (sequence 69)
- Language
- German
- Belongs to
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Die religiöse Tat 327 sind. Die Handlung ist die einzige wirkliche Aeusserung des Willens. Ein Wille, der nicht so stark ist, dass er zu einer Handlung führt, ist eben kein Wille. 9. Die tiefste Quelle der menscbiicben Willensakte ist der Wille, frei zu sein. Das ist auch seine unüberwindliche Stärke. Denn kraftvoller als alle anderen Leidenschaften des Menschen ist seine Leidenschaft, den eigenen Willen durchzusetzen. Der Umstand, dass es der eigene Wille ist, genügt ihm, sich selbst den Vorrang unter allen anderen Kräften des Menschen zu erkämpfen. Dort, wo der Wille zum Eigenwillen sich regt, schweigen alle Leidenschaften, selbst die den Menschen am meisten beherrschenden Kräfte, die Triebe zur Sinnlichkeit. Es ergibt sich also, dass, wenn der Mensch seinem ureigensten Willen folgt, die Impulse dazu nicht der Kraft entstammen müssen, die man im allgemeinen Triebleben nennt, sondern ihre Quelle ist häufig nichts weiter als der menschliche Wille, den eigenen Willen zu verwirklichen. Da also der Wille zum Eigenwillen im Menschen eine souveräne Kraft darstellt, muss jeder Erzieher ihn eine besonders fürsorgliche Erziehung teilhafitg werden lassen. Und den Willen bilden heisst primär: den Willen brechen (allerdings nur primär). Denn da weder geistige Beeinflussung noch Schwächung des Triebhaften diesen Willen zum Eigenwillen zu schwächen vermag — er ist ja, wie wir nachzuweisen versuchten, unabhängig von Geist und Sinnlichkeit — kann nur äusserer Zwang zum Ziele führen. Gewalt kann nur durch Gewalt bezwungen werden. Wohl alle Pädagogen machen sich diese Gedankengänge in der Praxis zu eigen, wenn manche sich auch in der Theorie — meist aus gefühlsmässigen Gründen — dazu nicht bekennen wollen. Es ist der Ruin jeder Erziehungsarbeit, wollte man es sich zum Prinzip machen,