Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 324 (sequence 66)
- Language
- German
- Belongs to
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324 Die religiöse Tat befreien ausgelöst wird; dass das heteronome Gesetz in ihm als autonome Gesetzgebung wirkt. Aber noch mehr. Das Judentum bildet Persönlichkeiten heran, die aus seinem Geiste heraus neue religiöse Werte für sich erstehen lassen. Als wahre Gottessucher und religiöse Bahnbrecher finden sie in der verwirrenden, überwältigenden Fülle der Wege zu Gott — stets neue Wege nach dem Ziele: Einssein mit Gott, Ganzheit in Gott. Und diese Wege schmücken sie nach Herzenslust — und die Lust ihres Herzens findet kein Ende — mit Werken der Schönheit und in dieser schmückenden Schönheit verbirgt sich die heisse Liebe und die schmachtende Sehnsucht nach der Weltenferne Gottes, nach jener Ferne, die dem Menschen ewig ferne bleibt. Solche Blüten reifen im Garten des jüdischen Gesetzes. 7. Zusammenfassend lässt sich Folgendes sagen: Drei Tatsächlichkeiten sind gegeben: a) Das autoritative Religionsgesetz sieht seinen eigenen höchsten Zweck darin, den Menschen zu sittlich-religiöserVollkommenheit emporzuführen. b) Im Religionsgesetz sind verhältnismässig wenig Gesinnungslehren des ״reinen Menschentums״ enthalten; umso vielmehr Vorschriften für das Aussenleben des Menschen, c) Durch die Erziehung des Religionsgesetzes reifen Persönlichkeiten heran, deren Aussen- und vor allem Innen leben von Reinheit und Schönheit durchflutet ist. Dadurch ergibt sich die Fragestellung für das Folgende von selbst: Ist das jüdische Gesetz mit seinen fast ausschliesslich an das Aussenleben gerichteten Einzelvorschriften wirklich im Stande, auf das Innenleben des Menschen die durchgreifendste Wirkung auszuüben, die man sich überhaupt denken kann? Haben wir im Vorstehenden bereits in Kürze und in allgemeiner Form die Vorfrage behandelt, wie das Wesen des jüdischen Religionsgesetzes aufzufassen sei, damit es nicht