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Jeschurun · 1925-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1925) · p. Seite 323

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 323 (sequence 65)
Language
German
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Die religiöse Tat 328 . . . והוי זהיר במצוד, קלה כבחמורה שאין אתה יודע מתן שכרן של מצות (Abot II. 1). Zähle deine religiösen Handlangen (ohne auf Qualität zu achten) so wie die Ueberlieferung die Einheiten des Gesamtgesetzes zählte. Sie haben ja nicht Selbstzweck, sodass ihr religiöser Wert davon abhängen könnte. Sie stellen Teilstrecken eines Weges dar; jede Teilstrecke, gleichgültig ob sie schwer oder leicht zu gehen ist, muss gegangen werden, wenn man ans Ziel kommen will. Wir Menschen können den religiösen Wert eines Gebotes nicht abschätzen11; aber es ist Sache des gerechten Gottes, den Menschen nach dem religiösen Opfer zu bewerten, das er in Erfüllung des Gesetzes gebracht hat; nicht nach dem zu beurteilen, was er ist, sondern nach dem, was er wurde. Daher besteht mit Recht die Auffassung: מקום שבעלי תשובה עומדים צדיקים גמורים אינם עומדין (Berachot 34 b). Die ״Ziffern-, zahlenmässige״ Behandlung der Gesetze im jüdischen Schrifttum und Leben ist also nicht ein Zeichen der Aeusserlichkeit, mit der sie etwa wirken, sondern sie hat tiefreligiöse Bedeutung, theorethisch und praktisch. Und wir sehen daraus, dass auch von dieser Seite her der Charakter des jüdiseben Gesetzes als Gesinnungs- Erziehungsmittel ohne Erfolg und mit Unrecht angezweifelt wird. Es gilt der Satz: Das stärkste Leben bekundet das Gesetz, das sich selbst tötet. Mit anderen Worten: Die stärkste Kraft eines Gesetzes besteht darin, sich überflüssig zu machen. Und in der Tat, das jüdische Religionsgesetz bezweckt und erreicht es: Der ihm treu ergebene Mensch nimmt dessen •Geist so tief in sich auf, dass die hiugebende Erfüllung seiner Gesetzes- Paragraphen schliesslich nicht mehr dem äusseren Zwang, sondern einem inneren Impulse entspringt; dass sie nicht durch einen Ueberwindungsakt des Menschen, sondern durch ein Sich- 1J) In dem Satze שאין אתה יודע מ ת ן שכרן ist durch das Wort מתן, das sonst überflüssig wäre, angedeutet, dass die Mischna nicht von dem inneren, absoluten Wert der מצוות spricht, sondern von dem Lohn, der dem Menschen für jede einzelne Tat g e g e b e n (מתן) werden wird.

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