Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 301 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kulturromane usw. 301 Gegensatz stehen zu diesen orientalisch entflammten Chassidim und dem azurstrahlenden Blau des Orienthimmels, an den diese Männer gemahnen. Welches Elend, welche Armseligkeit der Umgebung — aber welche Glut und weicher Sternenglanz in den ekstatischen Gesichtern! Das sind nicht die nebliggrauen Steppen Polens, das ist Judäa, das ist farbenglühendes Morgenland, das ist heiliger Boden, auf dem diese Menschen umher wandeln mit unlöschbarer Entflammtheit im Gesicht, mit unirdischen, unsteten Augen, Märchenaugen, der Wunder harrend, die die Nähe des Zadik zuverlässig erwirken wird. — Am Vorabend des Rausch-Haschono, nach dem Abendgottesdienst, den die Chassidim, einheimische und Tausende Zugereister, in heiliger Exstase verrichtet haben, findet die erste Mahlzeit unter Teil« nähme des Zadik und seiner Familie statt, der königlich schreitend, schechinaglänzend, sich als Letzter bei Tische niederlässt und Schirajim (heilige Speisereste) verteilt. Jenseitig, unergründlich blickt sein Auge (nur eines besitzt er, das andere, blutig rot angelaufen, ist erloschen). Nach dem Mahle {das im Bes-Hamidrasch auf Kosten des Rabbi stattfindet) benscht der Jüngste der 18 Söhne des Zadik. Man isst, raucht, betet, schläft im Bes Hamidrasch in der Nacht, bis am kommenden Morgen, nach dem Tauchbad, der Gebetrausch aufs neue beginnt und die Schaufartöne schmettern. Der Baal Tokea ist der berühmte Toraschreiber Reb Elje Lebowitsch, ebender, zu dem Reb Amram abgesandt wurde, um für Hunfalu die Tora zu bestellen. Am Tage nach dem Feste kommt der Vertrag über das Toraschreiben zustande. Aber noch ein zweiter Vertrag wird geschlossen: Hertz Wolff, des Sofers einziger Sohn, soll Schwiegersohn von Reb Amram werden unter interessanten Bedingungen: Zweihundert Gulden Mitgift und drei Jahre Kest beim Schwiegervater. Nachher ist Reb Amram noch in den Selichostagen Zeuge des ungeheuren Gewoges von Bittstellern und Pilgern, die beim Zadik ihre Anliegen Vorbringen und getröstet und überzeugt das Audienzzimmer verlassen. 3. Bild: Jaum-Kippur beim Zadik. Das Beten dieser Gemeinde, das ist kein Schauspiel der ״Erbauung״ und