Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 299 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kulturromane usw. 299 Zettel uud Einschlag des Ganzen. Wer fragt hier nach festgefügter ״Handlung“! Man liest das Buch mit fliegendem Interesse, man staunt über die unerhörte Kraft des Entwurfs und die Plastik der Gestaltung, man blickt wie versteinert in eine uns fremde Welt, die da gar nicht weit von uns, im Herzen Europas, wie eine Enklave, wie ein Raritätenkasten, über alle Völkergeschehnisse und alles Völkeriingen hinweg seit Jahrhunderten unverändert, wimmelnd und ewigjung sein Leben lebt. In den engen Bezirk ihres Denkens und Handelns für den Bedarf des täglichen Lebens eiugeeponnen, scheinen diese Karpathenjuden klein, verächtlich für den aufgeklärten Westler, doch in ihrem Sinnen nach gottgefälligem Tun, in ihrem unablässigen Verbundensein mit dem Göttlichen, vom Weltlichen Abgezogenen, Transzendenten wachsen sie empor zu einem Ewigen, Absoluten, zu einer himmlischen, rassereinen Einheit. Ihre Welt ist klein, doch unverrückbar, ein Gottesreich auf Erden. Das ist das Geheimnis ihres Bestandes, der Urgrund ihres Seins, der Schlüssel zum Verständnis ihrer Wesenheit, ihres Soseins. Jahrhunderte kommen und vergeben, Völkerschicksale mögen kreisen, — dieses Israel im Gottesländchen bleibt ein Fels, ein Kraftquell, dem Kriegstücken, Völkerhass, Zeitnöte nichts anhaben können, denn sie haben e i n Palladium: Das Gottesgesetz und die Volkssitte. Sie fühlen sich äis die auserwählten Träger des Gottesnamens und des Messiasgedankens unter den verwilderten Wirts Völkern, als ein Volk, das allen Zeitstürmen willig die Stirne bietet, das mit der Hoheit der stolzen Eiche und mit der Demut des niederen Grashalms sich biegt, aber niemals zertreten wird. Das ist das erhabene Leit- und Leidmotiv, das diese Bücher durchzieht, das ist der Volksgenius, dem die beiden Dichter hier bewundernd huldigen. Der jüdische Leser aber steht staunend vor dieser Grossleistung zweier nichtjüdischer Dichter, die in bisher u n - gekannter Grösse (Perez und Scholaum Alejchem und andere haben es für Russland, in Novellenform und mit ganz andere Tendenzen getan), mit unnachahmlicher Akribie, mit umfassendem Einfühlungsvermögen diese jüdische Träumer-