Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 296 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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296 Jüdische Kulturromane usw. des Mystischen, das Gewitterschwere, das Unwägbare eines vorher bestimmten und geahnten Gottesgeschicks an Debourah. Hinzu kommt noch, dass das Werk viel zu sehr erfüllt ist von Kulturbeschreibendem, Zeitbedingtem, von Mode- Wörtern und Kleidermoden (ein Fehler vieler Frauen-Autoren). Künstlerisch am wertvollsten und schöpferisch lebenswahrsten scheint noch Debourah, die Tochter des Rabbi gelungen, sie ist von Anfang bis Ende einheitlich konzipiert und fesselt dauernd unser Interesse. Alle Liebe und Lieblichkeit hat die Autorin dieser Leidensheldin zugewandt. Keuschheit und Reinheit und kraftvolle Anmut sind ihr eigen, ein Zauberhauch biblischer Frauengestalten umwittert sie. Hier malt die Verfasserin nicht mit Worten, sondern durch Handlungen, und hier findet sie auch dichterische Akzente und menschengestaltende Kräfte. Eine Lebensgestalt von hohen dichterischen Gnaden ist auch Rabbi Eleazar, der Vater, eine Adelsgestalt von patriarchalischer Würde und Abgeklärtheit. Doch alles in allem — bei aller gelungenen Charakterisierung einzelner Hauptpersonen — es bleibt zutiefst der Eindruck: Hier sind die Personen nur Mittel zum Zweck der Kultur- Schilderung; nicht das Menschentum der Einzelperson, sondern die M e n s c h h e i t, die Menschenklasse, das Kulturmilieu ist der Verfasserin die Hauptsache. Und so erblicken wir den starken Wert dieses Buches im Stofflichen, im Kulturhistorischen. Als jüdische Kulturstudie hat der Roman auch für die weitesten deutschen Leserkreise seine Reize, und es wäre verdienstvoll, es durch Uebersetzungen allen Ländern zugänglich zu machen. Unsere gedrängte Inhaltsangabe konnte nur gelegentlich einzelnes aus der Fülle kulturjüdisch interessanter Momente des Werkes hervorheben. Viele Szenen und Riten sephardisch-chassidischen Charakters, wie die Ueberwindung der bräutlichen Scheu durch den Schlaf im väterlichen Zimmer in der Nacht vor der Hochzeit, das musterbildliche Verhalten der Frau in der Niddo-Zeit ihrem Manne gegenüber, der festliche Empfang am Ende der Zeit der Unreinheit; der Glaube an die Allmacht des Sohar-Lesens; Abweichungen in der Gebetordnung,