Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 295 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Kulturromane usw. 295 Worin liegt nun der Reiz dieses Werks, dessen Inhaltskem sicher nicht den Stoff zu einem Roman, höchstens zu einer N 0veile bietet? Ist es bloss der Duft des fremdartigen Milieus, das Intensive, von einer Leidenschaft bis zum Tode Erfüllte der zwei Hauptpersonen, die fast wie von einem D i b b u k erfasst, in fluchwürdiger Liebe für einander bestimmt, ihr Leben fern von einander und räumlich doch so nah ertragen müssen? Sicherlich wäre der Stoff, in der Erfindung fast wie ein mittelalterliches Minnelied wirkend, unter der Hand eines feinfühligen Dichters und Künstlers bei bescheidenerem Rahmen ein grosses Kunstwerk geworden. Unsere Verfasserin bleibt leider im rein Stofflichen stecken, der grosse Wurf Leidenschaften und Menschen formender Gestaltungskraft ist ihr versagt. Ihre Menschen sind Schemen, schattenhaft, sie versanden im Typischen, Formelhaften, UnpersönlicheD. Jakob, Debourahs Geliebter, verlischt mit dem Fortschreiten der Handlung völlig bis zur Unbedeutendheit mit dem Moment, wo er zum Leben erwachen soll, wo er die Nachricht von der Verlobung Debourahs erhält und wo er um die Geliebte hätte kämpfen sollen, oder, wenn er schon keine Kämpfematur ist, wenigstens seine Talente entfalten, ein geistig Ragender, Bedeutender in Israel werden sollen, um 80 die Achtung und Bewunderung der Geliebten zu erringen. Statt dessen trauert er um sein verlorenes Leben und tritt überhaupt ganz in den Hintergrund und verheiratet sich mit einer Unbedeutenden. Vielleicht ist aber dies Passive, Resignierende in der quietistischen Natur des Orientalen begründet? Möglich. Doch unverkennbar verliert auch die Verfasserin das Interesse an ihrem ״Helden״ mit dem Augenblicke, wo er sich dieser resignierten Stimmung hingibt, und er sinkt völlig zur Nebenfigur hinab; so hat auch der Leser kaum mehr Interesse für ihn, und die Folge ist, dass der tragische Ausgang, die Explosion am Ende des Buchs uns kaum als etwas Zwangläufiges, dramatisch Motiviertes trifft. Wir empfinden das Ende eher als etwas fatal Zufälliges. Es fehlt auch zur vollen Wirkung die straffe Schürzung der Motive, es fehlt vor allem der Schleier