Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 294 (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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294 Jüdische Kuiturromane usw. ein Kind unter dem Herzen trägt, geht sie eines Tages in 8 Beth-Hamidrasch ihres Vaters und trifft dort Jakob, es kommt zu einer schmerzlichen, leidenschaftlichen Aussprache. Das ist ihre tragische Schuld, sie hat mit einem fremden Manne gesprochen, das ist eine Gedankenschuld, fast einem virtuellen Ehebruch gleich — und diese Schuld muss sie später büssen. — Jakob geht eine Ehe mit einer Ungeliebten, einem geistig unter ihm stehenden Mädchen namens Victorine ein, damit die Brüder dieses Mädchens dafür seine Schwestern heiraten, doch sein Leben und Sinnen gehört der idealen Geliebten Debourah. Debourah bekommt einen Sohn Eleazar. Dieser wächst heran, wird ein Schüler Jakobs im Beth-Hamidrascb, der ihn liebgewinnt wie sein eigenes Kind und ihm seinen eigenen Geist einhauchen möchte. Nie aber hat Jakob wieder eine Begegnung mit Debourah. — Nur zur Bar-Mizwah-Feier seines Lieblings Eleazar rafft er sich auf und geht, früher als alle Besucher, ins Haus Debourahs zum Gratulieren, flieht aber, als er von ferne die Geliebte. an der Seite ihres Gatten erblickt. Seine Frau Victorine, die inzwischen schwanger geworden ist, kommt später mit den anderen Gästen zum Mahle, die eingeladenen Kinder spielen auf dem Hofe mit dem Bar-Mizwah. Der fromme Knabe Eleazar der Bar-Mizwah sieht plötzlich die sehnsüchtigen Blicke der Frau Victorine auf die Weintrauben gerichtet, die lockend rotgolden an der Hausmauer herabhängen, er will die Mizwah erfüllen, die befiehlt, einer Schwängern einen Wunsch zu erfüllen, er klettert voll glühenden Eifers die Mauer empor über den Balkon auf einen Baum, klettert von Ast zu Ast, bis er die Traube pflückt, der Ast, auf den er sich stützt, bricht — Eleazar fällt ab und bleibt mit gebrochenem Genick tot liegen. — So erfüllt sich das unerbitterliche Geschick an der ihrem früheren Geliebten sträflich treugebliebenen Debourah. Ihr Vater, der Rabbi, dem sie ihre Gedankenschuld jetzt bekennt, zieht zur Sühne nach Palästina, Debourah dämmert einsam und gebrochen, dem Irrsinn nahe, ihr weiteres Leben dahin.-