Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 293 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische KulturromaB0 usw. 293 salonmässigem Benehmen werden in den Nebenzimmern plaziert. Schon dagegen rebellieren die einfachen Seelen im Stillen. Plötzlich, inmitten der lockenden Walzerklänge der Musik erhebt Rabbi Eleazar mit seinen Talmudisten seine Stimme zum Rezitieren, gewisser Psalmen und des Esches-Chajil-Liedes, schon das erregt starkes Befremden. Es folgt Juwelen- und Ringaustausch (!) zwischen Braut und Bräutigam unter der Chuppa; dann soll ein prächtiger Ball der Herrschaften folgen, wozu Debourah, die Braut, auf Geheiss der Schwiegermutter eine auffallende Balltoilette anlegen und mit entblössten Schultern mit dem Sohne des Gouverneurs der Stadt den Ball eröffnen soll. Da ruft Reb Eleazar mit zornerstickter Stimme durch den Saal: *Wie, gnädige Frau, Sie haben die Kühnheit gehabt anzunehmen, dass ich, solange ich lebe, es erlauben würde, dass man meiner Tochter auch nur eine Handbreit ihres Körpers entblösse, bevor sie rechtlich ihrem Manne angehörte? . . . Lass uns fortgehen, meine Tochter, sie sind hier deiner unwürdig! Sie haben kein Gefühl hier für jüdische Würde!״ — Es droht ein offener Skandal. Die Gäste und Gastgeber sind in peinlichster Verlegenheit über diesen Bruch aller Etikette. Herr Edmond entlässt in Eile die Musik und die Gojim-Gäste, es bleibt ein kleiner Kreis von frommen Gästen und Hausgenossen zurück, und nun kann das Hochzeitsmahl ungehindert nach alter Sitte seinen Fortgang nehmen. — Die Nachricht von Debourahs Verheiratung von seiner Schwester in einem Briefe mit anderen Sensationsnachrichten mitgeteilt, trifft den Rabbinatskandidaten Jakob niederschmetternd, er fällt fiebernd aufs Krankenbett und schwebt wochenlang zwischen Leben und Tod; er wird dann wieder gesund, doch eine Veränderung ist in ihm vorgegangen, sein Lebensmut ist für immer gebrochen. Er muss sein Studium aufgeben, und flügellahm kehrt er aus Paris in sein Vaterhaus zurück, ein Gebrochener, Gemiedener. Doch er kann die sündhafte Liebe zu Debourah, die jetzt Ehefrau eines andern ist, nicht aus seinem Herzen reissen. — Aber auch sie, Debourah, Gattin des M. Edmond, kann den Jugendgeliebten nicht ganz vergessen. Trotzdem sie 3