Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 292 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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292 Jüdische Kulturromane usw. Heimatstadt und dem weltlichen Treiben des Seine-Babels? die Einfachheit der Synagogen und des Gottesdienstes seiner Vaterstadt im Gegensatz zu den prachtstrotzenden Schaustellungen der Pariser Gotteshäuser. Er ist am Sederabend Gast bei einer algerischen Familie in Paris, wo alle, Eltern und Töchter, schon so verweltlicht sind, dass keine Haggada gelesen wird, da die Töchter Hebräisch nicht lesen können, man hält sich einen Rabbinatskandidaten, der den unwissenden Hausgenossen den hebräischen Text erläutert; alles verläuft stimmungsarm wie eine lästige Zeremonie, man lacht, flirtet, amüsiert sich beim Essen; beim leschono habbo bijeruscholojim rufen die Töchter witzig: A Paris, ä Paris, toujours! (Wer erinnert sich hier nicht an manche auch bei uns in Deutschland leider! vorkommende würdelose Szenen ähnlicher Art!) Mehr als je fühlt sich der Bo־ chur vereinsamt und voll Sehnsucht nach der Exiebniswelt in der Heimat. — Dort im Hause des Rabbi Eleazar sind inzwischen grosse Veränderungen vorgegangen. Debourah, die die langen Jahre bis zur Beendigung des Studiums des jungen Jakob nicht warten soll, verlobt sich mit einem jungen Manne aus sehr reicher, aber neumodischer Familie Saffar. M. Edmond, der Freier Debourahs, kann kaum Hebräisch lesen. Die Verlobung des ungleichen Paares kommt zustande, das Ansehen des Hauses Saffar ist zu gross, als dass Rabbi Eleazar die Ehre einer ehelichen Verbindung ausschlagen könnte. Die Hochzeits- Zeremonien mit all ihren seltsamen Riten, die feierliche Tauchbadszene, das Abholen der Braut aus dem Hause des Vaters, ihre Begleitung nach dem Hause des Bräutigams wird anschaulich und umständlich, kulturhistorisch jedoch äusserst reizvoll beschrieben. Gleichzeitig mit der Verheiratung der Rabbinerstochter wird auch die Verheiratung eines armen Mädchens mit einem armen jungen Manne aus der Gemeinde vollzogen, um die Mizwa zu erhöhen. Das Hochzeitsfest im eleganten Hause Saffar gestaltet sich beinahe tragisch: Alle christlichen Notabein der Stadt Algier sind zum Fest eingeladen, sie sind die Hauptgäste, die frommen altmodischen Juden, vom Brautvater geladen, mit ihrer altmodischen Tracht und dem nicht