Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 291 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdiät'he Knlturromane usw. 291 gern heiratet, da der Gatte sich von ihr nicht bedienen und sie keine schweren Arbeiten verrichten lässt; es muss also ein vermögender Mann sein, der sich diesen Luxus leisten kann. Die Aussicht auf die Heirat mit allen Vorbereitungen ist das einzige Moment, das Farbigkeit in das zurückgezogene Leben der jüdischen Töchter des Landes bringt. Jahrelang wird an der Aussteuer gearbeitet, von einem gewissen Alter ab stehen dann die Koffer mit der Aussteuer gepackt für den Tag und für den Mann der da kommen soll. Das Wohnzimmer der unverheirateten Tochter bleibt kahl und schmucklos, selbst das Bett fehlt, nur auf Kissen schläft sie, auf der Erde, sie ist nur Gast im Elternhause, ihr ganzes Denken ist von der Zukunft mit dem Gatten erfüllt, jeden Augenblick sagen die Eltern: Wenn du dein eigenes Heim haben wirst, machst du es so und so, wirst du diese Farbe tragen, jenes Parfüm (wichtig bei den Orientalen!) gebrauchen. Ihre Kleidung, ihre Hemden werden in der Mädchenzeit aus alten Stücken genäht, denn alles Gute bleibt für die Ehezeit aufgespart. Ein Bewerber, der die Braut nicht innerhalb zehn Wochen heiraten kann, tritt lieber zurück, um nicht ״entraver sa chance“, ihrem Glücke im Wege zu stehen. — Debourah hat anscheinend auch schon den Mann ihrer Zukunft gefunden, den Talmudjünger Jakob, einen Jüngling aus einer armen Familie in Algier, der bei ihrem Vater lernt, sein Liebling und sein Vorzugsschüler. Er gehört fast zu den Hausgenossen ihres Vaterhauses, sie leben wie Bruder und Schwester, und beide halten sich durch Schicksal und Wahl der Eltern für einander bestimmt. So entwickelt sich zwischen beiden ein dämmerhaft zartes, inniges Verhältnis. Doch zuerst muss Jakob seine weltlichen Studien betreiben, er muss erst nach Paris aufs Rabbiner-Seminar gehen, um den Titel eines grand-rabhin zu erwerben. So erfolgt die Einschiffung des jungen Jakob nach Frankreich (glänzend lebendig die Schilderung des Hafenbildes bei der Abfahrt). In Paris beobachtet der streng fromm erzogene Bochur schmerzvoll die Gegensätze -zwischen der Herzensfrömmigkeit der Menschen in seiner