Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 290 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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290 Jüdische Kulturromane usw. sächliches wird Bedeutsames. Und so ist dieser ganze Roman durchflutet von südlicher Lebeaswärme und sinnlich-plastischer Lebensnahe. Das Buch ist mehr ein Kulturbild er b ogen aus Algier als ein Roman mit künstlichen Spannungen, mehr eine Folge von Szenenbildern als eine kunstvoll verflochtene Handlung mit Aufstieg und psychologischer Feinarbeit. Nicht die Personen und ihre Schicksale, sind Mittelpunkt, sondern die Schilderungen von Kultur und Sitten der algerischen Judenhelt ergiessen sich in breitem Strome, und zugunsten der Kulturgemälde wird auf Verklammerung der seelischen Geschehnisse und auf Physiognomik der Personen nur zu leicht von der Verfasserin verzichtet. Ein individueller Fall soll typisches Geschehen und Fühlen ganzer Volksklassen veranschaulichen. Ein gewisser Schematismus der Figuren ist somit unausbleiblich. Der Roman ist daher weniger als Kunstwerk denn als Kulturquellenbuch für die Lebenssphäre unserer Brüder in Afrika hoch zu bewerten. Schon eine Skizzierung des farbenkräftigen Inhalts bringt viel Kulturkundliches. Die Hauptperson des Romans, Debourah, Tochter des Oberrabbiners Rabbi Eleazar in der jüdischen Gemeinde zu Algier, wächst im Hause ihres Vaters auf; lilienhaft rein und unberührt von weltlichem Getriebe, kaum einem Männerauge ausser dem des Vaters und der Hausgenossen preisgegeben. Tochter des Rabbi E. aus zweiter Ehe, wird sie von der ersten, kinderlosen Frau, zusammen mit der zweiten, wirklichen Mutter auferzogen• Die Erziehung ist bemerkenswert. Keusch, blumenhaft zart und zärtlich leiten die Frauen die Erziehung der Tochter, zärtlich ist das Verhältnis des Vaters zur einzigen Tochter, zärtlich das Verhältnis der Tochter zu den beiden Frauen, zur ersten, kinderlosen, und zur zweiten, der leiblichen Mutter. Die beiden Frauen, fast gleichaltrig, umhegen die einzige Tochter und bereiten sie vor für das eine grosse Ereignis ihres Lebens, das wunderbare: ihre Verheiratung, die bekanntlich im Orient sehr früh erfolgt. Die Wahl des Gatten ist bei Debourah umso schwerer, da ihr Vater ein Cohen ist und man eine Priesterstochter un-