Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 273 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293039--07722-2301004- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vom Mirjambrunnen 273 in Erinnerung bringen und Mitleid erregen will. (Die kleinen Epen מתיי מדבר und מגלת אש seien hier nur erwähnt. Trotz ihrer reichen bezaubernden, oft altjüdisch-bildhaften Sprache sind sie hellenisch. Sie zu würdigen ist hier nicht der Ort.) Bialik sagt uns in diesen Liedern nicht, wie und was er ändern will. Der Hass soll unseren Herzen bleiben, und wir Juden sind ehrlich genug, diesen nie zu Taten schreitenden Hass bei unserem tausendfältigen Leid als r6in zu bezeichnen. In den הרהורי לילה kommt so unnachahmlich der tausendjährige Kummer zum Ausdruck, der Glaube, dass nur ein Fühlen des ganzen Volkes von seiner Not dem Einzelnen Linderung bringen wird und nur drüben im Lande der Vergangenheit und Zukunft — אל הצפור klingt so rührend von dort ins jüdische Herz und zu Taten ruft der kraftvolle Herold Chaim Nachman: תחזקנה und למתנדבים בעם! Hinüber und bauet das Land! ייצה py כל! Und unsere Pflicht ist es, die Pflicht der dem Gesetze Treuen, das neue Land alt-neu zu gestalten. -X- * Nur flüchtig sind wir durch den Garten geeilt. Es kam uns nur darauf an, auf das Gute, Fruchtähnliche zu schauen und einiges für unsere Seele zu pflücken. Wir fanden manches, doch zerstreut und versteckt, zwischen duftenden Blumen und schön wucherndem Unkraut. Dieser Chaim Nachman wandelt nicht auf unserem Wege jüdischer Lyrik, . sein Brunnen ist nicht von der Art des Mirjambrunnen, der uns durch die Wüste des Golus geleitet, erschien, verschwand und erschien! Das Testament hat er nicht gehalten, denn in seinem Herzen ist Streit gegen seinen Vater im Himmel. Und dennoch! Unser Bruder ist er, von unserem Blut und unserem Fleisch. Er weiss mit uns zu klagen und mit uns zu hoffen. Er mehr als die meisten seiner Genossen, die kaum einen Hauch der Thora verspürt. Würde die Thora unser Beruf sein, unser Leben und sie wahrhaft allein die Länge unserer Tage, dann brauchten wir nimmer seiner Leier zu lauschen.