Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 266 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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266 Vom MirjambrnnDen und der Tochter beraubt, verfolgt und gejagt, an seinem Werke weiter schrieb. Freilich zu Beschaulichkeit war nicht Zeit, nicht Mut, nur in der Klage schuf man Lieder, nicht Lieder geküsst vom Hauch des jüdischen Landes, sondern Lieder des Golus, das an allem, auch am Geistigen genagt, doch nimmer am Hause der Thora. Nur Italien, ruhig und friedlich wie sein Himmel, hat jüdische Dichter auf seinem Boden getragen. Voll Gottes״־ furcht, voll Liebe und Sehnsucht, ihr Grösster ein zweiter Jehuda Halevi, Führer auf dem ״Weg der Frommen“ und Führer auf dem Weg nach Zion — M. Ch. Luzatto. ״Führe uns, Ewiger, zu dir zurück, und wir werden umkehren. Erneuere unsere Tage wie einst.“ Jeremias’ letzter ״Echa“־Seufzer — ist Blick in das Jahrhunderte währende, abwärts, abwärts führende Golus, ist Weissagung vom ferner, ferner Werden G’ttes, da Zion gottesfern. Rückschritt, Rückschritt im Weiterschreiten der Geschichte heisst jüdischer Fortschritt. Aber die ״Berliner Sammler“, die Schüler des Dessauer, wussten um ״Rückständigkeit“ und predigten von Fortschritt. Wie dicht und scharf waren ihre Pfeile, die sie mit Juda fremden Mitteln geschärft, wie viel war des Streites in ihrem Herzen gegen ihren Vater im Himmel. Im Sande Europas verlief sich, vertrocknete der Bach voll trügerischen Wassers . . . Doch auch zum Osten war das grelle Licht gedrungen. Hier war der Kampf noch leidenschaftlicher, denn eng lebte man zusammen und stark war die Thora. Und die Neuen wären auch hier wie im Westen völlig Fremde geworden — denn was vermag der Wille, des Gegners ״Nichts“ zu erweisen, ohne Kräftigung durch ein eigenes ״Ja“? —, wenn nicht Kräfte, alt-neue Kräfte erstanden wären. Erst friedlich und heiter — Chowewe Zion! Dann mutig, laut, stürmisch erobernd — Herzl! Er erstürmte auch die Macht, die zum Herzen des jüdischen Volkes sprechen ־־ konnte: Die neue jüdische Dichtung! Liegt sie auf jenem von G’tt gewollten Abstiege von David über Talmud, Midrasch nach Spanien und Italien hinüber diese frische, zionsreiche Dichtung? Führt sie rückschreitend zum Forschritt?