Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1925)
- Date
- 1925-07-01
- Page
- Seite 264 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Vom Mirjambrunnen Wie voü waren diese Geisteshelden doch von Liebe zur Schönheit der Natur! Als einmal zwei Weise an einem gefallenen Tier vorbeikamen, da sagte der eine zum andern; ״Lass uns schnell Vorbeigehen, es riecht hier so übel״. Doch da entgegnete ihm der andere: ״Siehst Du nicht die schönen, weissen Zähne?“ 0, ihr Dichter, herzgeführt, herzverführt, sucht und findet ihr auch an Totem, Verwesendem, Ekelndem Schönheit, die des Preises wert oder zieht Euch nicht vielmehr die Kraft des Ganzen, des Allgemeinen, das geschaut wird, an, zur Begeisterung und Dichtung, wie Hässliches ebendarum Euch abstösst und Unwillen in Eure Herzen sät, mag man bei ehrlicher Schau auch Schönheiten an ihm finden? Liebt ihr sie wirklich, die Schönheit, wo immer sie ist, liebt ihr sie mit Liebe so stark wie der Tod?! — Nur wer den Wächter immer wachen lässt im Herzen, den Geist, der warnt und rettet, den wird sein Herz führen und nimmer verführen. Und weil Halacha und Agada für unsere Grossen eine Einheit war, geschaffen von Geist und Herz, drum knüpften sie unmittelbar an scharfsinnige Definitionen des Talmuds ihre aus der Tiefe des Fuhlens gehobenen Kleinodien der Agada, glaubensglühend und geistessprühend zugleich, ähnlich David, der auf seiner Höhe an die Sonne das Licht der Thora hängte. Sie haben wahrlich mit Macht ihrem alten Vater zugerufen: Das Wort, das du uns hinteriiessest, es ist lebendig in uns! Und die Kinder Israels entfernten sich immer weiter und weiter vom Tische ihres Vaters und ihre Sprache wurde anders als die, in der ihr Vater bei seinem Abschied zu ihnen gesprochen. Drüben in Spanien fanden sie bei ihren Vettern, den Nachkommen Ismaels, eine zweite Heimat und die Thora wuchs und gedieh unter den Fittichen ״des grossen Adlers“. Dennoch war man im Golus, man sprach eine fremde Zunge und war den freundlichen, geistreichen Gastgebern nah und konnte nicht fern, nicht ״drüben“ sein. Und die Dichtung ward zur Zuflucht aber gerade darum trug sie das Kainzeichen des Irrenden, von,