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Jeschurun · 1925-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1925) · p. Seite 263

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1925)
Date
1925-07-01
Page
Seite 263 (sequence 5)
Language
German
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Vom Mirjambnmnen 263 seelenerquickenden, und mitleidig lächelnd wenden sie sich, die Neuzeitlichen, von dem ״veralteten Nationalismus״ des israelitischen Königs ab. Es m u s s offenbar so sein. Uns hat ja G’tt die Thora gegeben, uns hat er erwählt. Ihnen blieb ein gestirnter Himmel, ein wellentürmendes Meer, ein grossartiges Gewölbe, dessen tausende Teile und Teilchen sich ineinander schliessen, um zu sehen, um zu glauben, dass ein G’tt ist, ein heiliger Wille lebt, wie auch der menschliche wanke. Doch Israel ist eben diesem weltordnenden G’tte näher, viel näher durch geistige G’ttesschöpfung, die sich direkt wendet an die Seele des einzelnen, des kleinen Teilchens jenes gewaltigen Gebäudes. Und David singt weiter: ״G’ttesfurcht ist rein ... die Gesetze G’ttes sind süsser als Honig . . . auch dein Knecht war achtsam mit ihnen . . .a Nicht nur Geschöpf, Willensobjekt des grossen Schöpfers, sondern auch Diener, selbstschöpferisch dem Willen des Herrn gemäss, näher, persönlicher. (Und weil Cyrus Israel half, G’tt auf Zion nahezukommen, nannte ihn Jesaja ״den Knecht G’ttes״.) Welt, Thora, G’tt — בלב אינו אלא אחד! Und in den späteren Perioden geistiger Blüte unseres Volkes, der Zeit, da Halacha und Agada in geschlossener Gestalt geschaffen wurden, war man von jener im Herzen des Juden sich stets von neuem schaffenden Einheit (ויחד לבבנו לאהבה וליראה את שמך) ganz so durchdrungen, als man sagte המפסיק ממשנתו ואומר מה נאה אילן זה כאלו מתחיב בנפשי, wer sein Lernen unterbricht und sagt: Wie schön ist doch dieser Baum?, macht sich gewissermassen todesschuldig. Nicht als ob die Weisen des Talmuds der Natur und ihrer Schönheit entfremdet waren, wie Unverstand und Groll es lehren, sondern weil ihnen Natur als G’ttes- Offenbarung Herzensgut war, lebengründender Unterbau für das Thoragebäude der G’tteserkenntnis. Aber man steigt Stufen hinunter, wenn man das Haus der Seele, die Thora, so plötzlich verlässt, man gibt eine günstige Gelegenheit auf, gewissermassen persönlich G’ttesnähe zu spüren, man geht einen Umweg und verschuldet sich an seiner Seele, die im Aufstieg zurückgeworfen.

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