Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 258 (sequence 88)
- Language
- German
- Belongs to
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258 Büch erbesprechungen S. Krauss ״Folkloristisch erscheint die Religion als eine von den Massensnggestionen“ »S. 29) oder wenn er von der Mausefallmethode der Kirchenväter und Scholastiker spricht (S. 38) oder das Zitat aus Drummonds *das Naturgesetz in der Geisteswelt״ :״der Unterschied zwischen Christen und Nicht- Christen ist der zwischen Organischem und Unorganischem“ (S. 48). Das prägt sich ein und ist als Schlag wort gut; zu brauchen. Doch das alles ist nicht so bedenklich als die überaus geschickte und in ihrer prägnanten Kürze und Fülle des Stoffe3 furchtbar wirkende Zusammenstellung all der Greuel, die im Namen der Religion ausgeübt worden sied. Dem Kenner der Geschichte ist das nichts Neues. Und wir Juden wissen ja wahrlich auch ein Lied davon zu singen rieht als Subjekte, sondern als Objekte der von den Vertretern der Religion verübten Greuel. Es ist eine grauenerregende Perspektive, wenn man vor die Frage gestellt wird, ob nicht in der Tat von manchen Religionen ein schlimmeres Wort gilt als das יצ*ו שברי בהפסדו, dass der Nutzen den sie gebracht, wettgemacht wird durch den Schaden, den sie angerichtet. Der Beweis lässt sich naturgemäss nicht erbringen, denn wir kennen au3 der Geschichte nur die furchtbaren Entladungen des Fluches, die wie ein Feuerzeichen weithin lenehten. vermögen aber nicht did*reichen Fluten des Segens zu überbliekeD, die gleichzeitig in Millionen gläubiger Herzen sich ergossen״ Am schlimmsten freilich wäre es, wenn der Vf. mit seiner These recht hätte, die er durch eine Fülle von Belegen zu beweisen sucht. ״Es ist nun höchst wichtig, einzn&ehen und zu wissen, dass all das Schlimme, das durch die Kirchen in die Welt kam und noch immer kommt, nicht den einzelnen Vertretern desselben, sondern dein Lebensprinzip der organisierten Religion selbst zugeschiieben werden muss“ •;S. 115). Von der jüdischen Religion ist in diesem Buche fast gar nicht die Rede. Sie hat sich in der Tat von allen uns bekannten Religionen am wenigsten mit den Greueln bedeckt, die hier geschildert werden. Aber wir wollen nicht vergessen, dass wir auch in der Gefahr schweben durch unser Verhalten den Verächtern uad Bekämpfen! der Religion als Belege zu dienen. Das ist immer Doch der Nutzen eioes vom Standpunkt des religiösen Menschen aus gesehen so blaspbemischen Buche3, dass es uns einen Spiegel vorhält und uns ein steter Mahner und Warner ist, durch die Religiosität Achtung vor der Religion zu erzwingen. J. W. Reinhold S^cherg. Zum Verständnis der gegenwärtigen Krisis in der europäischen Geisteskultur. Leipzig-Erlangen 1928. A. Deichertsche Verlagsbuchhandlung. Ein stolzer Titel und ein berühmter Autor, einer unserer ersten christlichen Theologen in Deutschland. Aber die Lektüre enttäuscht. Es handelt sich nicht um eine tiefschürfende Auseinandersetzung mit den Problemen, sondern um eine Skizzierung landläufiger Anschauungen über Kultur und Wissenschaft im Zeitalter Wilhelm II. und der Gegenwart.‘ Uns interessiert naturgemäss vor allem der 8. Teil; Antisemitismus, Judentum und Kirche. Dieser Teil ist vom deutsch-nationalen Parteistandpunkt geschrieben mit dem sichtbaren