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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 256

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 256 (sequence 86)
Language
German
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256 Bücherbe sprechungen Patina von Jahrtausenden ruht, und die, auch wenn wir von dem religiösen Inhalt absehen, jener Zauber der »naiven Dichtung״ im Sinne Schillers umspielt, in modernen Versen uns nahe bringen will. Es ist kein geringes Lob* wenn man von dem Bande ״Jeschurun“, der in 37 oft sehr umfangreichen Gedichten Episoden der Bibel z. T. mit den Erweiterungen, die der Midrasch gibt oder die Phantasie des Dichters geschaffen, sagen kann: Hier wird auch der Kenner des Originals ergriffen. Der Schauer des Erhabenen weht uns aus dem geheimnisvollen Dunkel entgegen, in das oft absichtlich die Motive der Helden getaucht sind. Nickt alles ist gleichmässig gut getroffen. ״Am roten Meer“, ״Bileam“ ״Adullam“ u. a. würden durch straffere Formung gewonnen haben. ״Tokachah״ ,״Deborah“, »Abimelech״ ,״Sanherib“, ״Nebukadnezar“, ״Jona“ u. a. bieten nicht viel mehr als Paraphrasen der biblischen Geschichte; ״Mickal“, ״Salomon“, ״Isebel“ sind etwas zu modern empfunden. Alles in allem aber ein Buch, das aufs wärmste für die Belebung und Vertiefung des biblischen Geschichtsunterrichts auch in toratreuen Kreisen zu empfehlen wäre, wenn der VfL das kleine Opfer gebracht, den GottesDamen in der üblichen Form zu verwenden und nicht so, wie ihn auszusprechen uns verboten ist. Es ist wirklich schade, dass er die Benutzung dieses wertvollen Buches in unseren Kreisen dadurch unmöglich gemacht. Ganz unverständlich ist es, dass der VfL, der doch in seinen Gedichten ein so ausgezeichneter Interpret jüdischen Empfindens ist, von dem des überlieferten Judentums eine 80 geringe Ahnung hat, dass er uns im Beginn seiner Anmerkungen einreden will, auch der strenggläubigste Jude, der jede Aussprache durch Ha-schem umgeht, brauche deshalb an der deutschen Aussprache des שם חמשרש keinen Anstoss zu nehmen, weil es in der deutschen Literatur zwei verschieden vokalisierte gibt, eine jede von ihnen also falsch sei. Weniger befriedigt bat uns der Band ״Gottsucher“. Ereignisse und Gestalten der späteren jüdischen Geschichte, Ideen von der Verfolgung Israels und seiner Neugeburt bilden hier den Vorwurf. Neben Perlen wie das Lied ״Ikabod“ recht viel Durchschnitt und ein Uebermass von Erotischem, über dessen Wert und Bedeutung für die seelischen Erlebnisse des Vfs. wir nicht streiten wollen, das wir aber in einem Buche, das uns helfen will, Gott zu suchen, nicht am Platze finden. Und dann, was soll die Tendenzgeschichte gegen den Talmud »die Wunderblome“. Der merkwürdige greise Rabbi, der zum Talmud, den er so eifrig studiert, ungefähr so steht, wie Faust za seinen Folianten. Wo der Dichter wohl diesen Typus beobachtet hat? Auch Trivialitäten sind nicht vermieden, wie etwa in ״Schibboleth“. Bedauerlich, dass der Vf. nicht Selbstkritik genug geübt hat und durch die Aufnahme solcher Gedichte wie ״der Schwur“ den Styl der Sammlung zerstört hat. immerhin, wir haben es mit einem Dichter von nicht unbedeutenden Qualitäten zu tun — Druck und Ausstattung der Bände sind ansprechend. —h.

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