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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 254

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Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 254 (sequence 84)
Language
German
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254 Bücherbesprechungen Beigebrachten kann freilich an sich schon irreführen — warum denn so oft Anmerkungen, die den Leser beeinflussen, wie S. 23 Anm. zu No. 68 ״Heils״ Sicherheit hat der Rabbi nicht“ (wogegen mein ״Zur Charakteristik des Sündenbewusstseins etc.“ Jeschurun Jahrg. XI S. 2Lu und Änm. 8 zu vergleichen ist). Auf S. 24 ist die eine der beiden Uebersetzungen vom יהי־ רצון ״es sei Wille bei euch“ unrichtig. In diesem Sinne kommt er nie vor. Vf. gibt auch die richtige. Aber dass er die andere für möglich hält ist typisch für die Unmöglichkeit, die Texte in ihrem innersten Wesen zu erfassen, wenn man aus Büchern sie auszieht und nicht in ihnen lebt. Wie einseitig ist die Bemerkung S 39 Anm zu No. 119. ״Möglich ist, dass Jesus solche Ausführungen über die ona’a kannte. Bei ihm ist aber alles mit besonderer Schärfe und Kürze au3gedrückt, dazu ohne den Beigeschmack derÖchriftgelehrsamkeic,* Als ob es nicht im Talmud ebenfalls Sentenzen von unnachahmlicher Kürze und Lebendigkeit gäbe und als ob sich die S. 39—41 zitierten zahlreichen Aussprüche nicht auf eine Reihe von Gelehrten und Perioden erstreckten! Mit dem, der jene wunderbare talmudische Erweiterung des schlichten pentateuchischen לא תונו, der auch Lazarus (Ethik des Judentums I S 289 -310) einen so schönen Excurs widmet, als einen Mangel gegenüber dem, was hier das Neue Testament gibt, empfindet, mit dem ist eine Verständigung kaum möglich. Ebenso begegnen wir auch hier in den Anmerkungen der Gegenüberstellung des ״Moralischen“ bei Jesus und des ״Juristischen“ bei den Rabbinen. Zur Objektivität eines Travers Herford ist Vf. nicht durchgedrungen. Wie konnte nur S. 99 Anm. zu No. 257 bei der aus den Texten übrigens durchaus nicht erschiiessbaren Erwähnung des ״Ausposaunens“ der Wohltaten, die so häufig hervorgehobene Tugend des Wohltucs im Verborgenen übergangen werden, die in breiter Ausfahrlichkeit Baba bathra 8aff u. s. geschildert wird. — Nachdrücklich soll aber hervorgehoben werden, dass Vf. es nicht unterlässt, dort wo es sich nicht gerade darum handelt, die Originalität des christlichen Religionsstifters hervorzuhebeo, überall den Vorurteilen und schiefen Beurteilungen der rabbinischen Ethik entgegenzutreten. Vgl. S 64 Anm. zu 167 u. 1<8׳, S 97 Anm. zu 248 ff, S. 128 Anm. zu 355, S. 19צ Anm. zu 058 u. a. Bei einer so reichhaltigen Beibringung der Quellen können auch einige Ungenauigkeiten unterlaufen. Wir haben bei Stichproben nur Kleinigkeiten festgestellt•, die es nicht verlohnt, hier zu bringen. Aber wir wollen wahrlich nicht die unendliche Mühe verkennen, die in dieser mit echt deutscher Gründlichkeit und Akribie gelieferten Arbeit steckt. Wir sind trotz allem ein recht Stück weiter gekommen, wenn die christlichen Theologen mit solchem Ernst an die Bearbeitung und Erschliessung der talmudischen Texte gehen, und wir hoffen, פתוך שלא לשפה יבאו לשפת, dass noch einmal ohne jede konfessionelle Voreingenommenheit von den christlichen Gelehrten, unter denen auf diesem Gebiete Vf. ja in erster Reihe steht, die wissenschaftliche Disziplin der Erforschung zunächst der Agada um ihrer selbst willen gefordert werden wird. J. W.

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