Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 251 (sequence 81)
- Language
- German
- Belongs to
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Philosophie der Gegenwart 251 eine Gefahr hält. Das kann doch wohl nichts anderes heissen, als dass selbst Skeptiker sich eines leichtsinnigen Aktivismus enthalten müssen, und dass die Ausrottung des religiösen Lebens kaum je frei von Bedenken ist. Ich halte es nicht für nötig, in diesem Zusammenhang auf Draws’ Arbeiten, die Christusfrage betreffend, einzugehen. Fraglos ist er auf diesem Gebiet zum Fanatiker geworden und hat einen Kampf entfacht, der sicherlich über das Ziel hinausschiesst. Ebenso wenig will ich hier auf seine freireligiösen Bemühungen eingehen. Ich halte sie nicht für zukunftsreich, erachte es aber, bei allem Abstand, für erfreulich, dass hier ein irgendwie positives Verhältnis zur Religion innerhalb der monistischen Kreise zu verzeichnen ist. Ich bin aber der Meinung, dass selbst der heftigste Kampf gegen den Klerikalismus nicht dazu zu führen braucht, den Rahmen der grossen monotheistischen Religionen zu sprengen. Ihre historische Rolle, ihre Grösse und feste Verwurzelung geben ihnen einen ungeheueren Vorsprung vor modernen Versuchen, denen ausser diesen gewaltigen Kraftquellen fast immer die Unmittelbarbeit fehlt. Der Blick auf die grosse Evolutionslinie einer historischen Religion gibt geistige Bewegungsfreiheit genug, um der Gegenwart za zeigen, wo sie sich einzareihen hat. III. Nur weniges noch will ich hinzufügen. Von einigen Autoren wird das Yitalismusproblem gestreift, und ,da es von mir in diesen Blättern schon wiederholt behandelt wurde, möchte ich auch diesmal darauf zurückkommen. Als ganz ausgesprochenen Gegner bekennt sich Ziehen. Schwächer ist schon der Widerspruch 0 s t w a 1 d s (dessen temperamentvoller Beitrag übrigens der Beachtung empfohlen sei; viele werden sich an der gelungenen Reproduktion des herrlichen Denkerkopfes erfreuen). Er gibt zu, dass das Leben, das eine energetische Basis hat, Ergänzung durch spezifische Ordnungbegriffe nötig habe, und nennt das den berechtigten Kern der vielfach phantastischen Bestrebungen der Neovitalisten. Dieser Angriff ist ungerecht, wenn er gegen die Führer des modernen Vitalismus gerichtet ist, aber durch den Vordersatz ist Ostwalds Attacke