Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 248 (sequence 78)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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248 Philosophie der Gegenwart gering, dass die Philosophie, gerade in den letzten Jahren, in der allzu engen Begrenzung eines Volke s gelehrt wurde, als ob mit einer nationalen Philosophie schon die Philosophie erschöpft wäre. II. Wir eilen zu sachlichen Erörterungen. Auch wären wir bei den persönlichen Angelegenheiten nicht so lange verweilt, wenn, von der geistesgeschichtlichen Bedeutung abgesehen, nicht gerade sie für das Sammelwerk bezeichnend wären. Dem Interesse des Leserkreises entsprechend, stelle ich die das religiöse Problem betreffenden Aeusserungen der Autoren in den Vordergrund. Eine eingehende Auseinandersetzung vom Standpunkt des Judentums scheint mir dabei nicht am Platze, da ich es hier für wichtiger halte, referendo die Meinung philosophischer Köpfe mitzuteilen, damit man weiss, welche Beziehungen zwischen Philosophie und Religion gegenwärtig bestehen. Wieder fällt auf, wieviele Philosophen theologischen Familien entstammen, und wie manche vorübergehend zur Theologie binneigten und ihr Studium betrieben (von den kirchlichen Philosophen Gutberiet und Dyroff sehe ich ab). Ziehen und Aall stammen aus einer theologischen Familie, Chiappelli rühmt die grosse Religiosität seines Elternhauses, Croce schildert anschaulich die religiösen Skrupel seiner Jugend, den Ernst, mit dem er beichtete, und erst langsam rang er sich davon los. Aehnlich hören wir von Stumpf, welche lebendige Frömmigkeit ihn erfüllte. Nur Lotzes ernstliche Mahnung konnte ihn davon zurückhalten, sein Leben der katholischen Kirche zu weihen. Natürlicherweise haben fast alle diese Denker sich im Laufe ihrer geistigen Entwicklung von den Fesseln des Kirchenglaubens befreit. Das bedeutet aber nicht, dass damit die religiöse Frage für sie in negativem Sinn entschieden wäre. Weit mehr moderne Köpfe, als man anzunehmen geneigt ist, bleiben zeitlebens religiösen Ueberzeugangen, wenn auch ausserhalb dogmatischer Anschauungen, treu. Dieser Wandel in der individuellen Entwicklung führt uns von der persönlichen Religiosität zu der Objektivierung innerhalb des Systems. — Ich kann nur vereinzeltes hier herausgreifen.