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Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 247

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 247 (sequence 77)
Language
German
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Philosophie der Gegenwart 247 Sein schliessliohes Ende im Irrenhaus und seine hässliche Krankheit lassen wohl vermuten, dass er auch schon früher nicht normal war“. In dieser kläglichen Weise kann man dem grössten Persönlichlichkeitsproblem wahrlich nicht beikommen. Unter den Ausländern ragen diesmal die Nordischen, vertreten durch den greisen Dänen H ö f f d i מ g, den Norweger A a i 1 nnd den Schweden Phalen, und noch mehr die Italiener C r 0 c e und C h i a p e 11 i hervor. C r 0 c e ist durch alle Welt als repräsentativer Geist Italiens bekannt. In seiner Darstellung kommen die geistigen Strömungen des modernen Italien zu deutlichem Ausdruck. Die grosse Vielseitigkeit der Interessen und der literarischen Produktion fällt dem Leser auf: fast überwiegt die literarhistorische und -kritische Tätigkeit die des Philosophen. Chiappelli, dessen Schrifttum ebenfalls nicht minder religiöse, soziale und Danteprobleme betrifft als die eigentliche Philosophie, gibt uns den Schlüssel zu dieser eigenartigen Erscheinung: es ist eine Eigentümlichkeit des lateinischen Geistes, dass er viele Gebiete umfasst und auf allen sich produktiv betätigt. Ein hohes Mass geistiger Beweglichkeit, die anderen Nationen nicht eigen ist, gestattet den Italienern schnelle Orientierung in den verschiedensten Disziplinen. Und nicht geringer als die Aktivität des Geistes ist seine Produktivität. Ich weiss nicht, ob diese Mentalität viele vor Dilettantismus bewahrt hat. Jedenfalls dürfen wir in Croce und Chiappelli (und nicht minder in dem bisher noch nicht in der Sammlung vertretenen G e n t i 1 e) ganz hervorragende Köpfe erblicken, deren Reichtum beneidenswert ist. Ich persönlich möchte Chiappelli sogar noch den Vorzug geben, da er nicht bei der Anschauung der Schule der Philosophie als Wissenschaft des Geistes stehen bleibt sondern den Mut zu einer metaphysischen Lehre äufbringt. Vielleicht entbehren seine Ausführungen der Strenge, die wir von den besten induktiven Metaphysik ern her gewohnt sind, aber doch halten sie sich frei von phantastischen Gedankengängen. Sie atmen eine ausserordentlich reiche Geistigkeit und finden den Weg zu religiösen Höhen. Davon wird noch weiterhin die Rede sein; hier sollte nur erwähnt werden, welche geistigen Persönlichkeiten Südeuropa besitzt, Gestalten, die kennen zu lernen für uns von dauerndem Gewinn ist. Ist doch die Gefahr nicht

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