Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 237 (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2292929-2293034-2293038--07664-2300946- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die sieben ägyptischen Hungerjahre 237 Midrasch in Menasses Bureau auf Grund der Auszüge der an den Grenzorten vorgezeigten פתקים Pässe11) eine förmliche Kartothek aller zum Aufkauf von Korn aus dem Auslande eintreffenden Fremden automatisch herausbiidete. Die Midrasch-Literatur unterstellt natürlich *Josef bei den erwähnten Gesetzgebungsakten nicht allein die von uns angedeuteten wirtschaftlichen Beweggründe. Nach der Ueberlieferung zielten diese Massnahmen gleichzeitig darauf ab, Josefs zehn Brüder, die von seiner, Josefs, Existenz nichts ahnten, zum Getreideeinkauf in Aegypten zu veranlassen und damit jene erschütternde Auseinander- Setzung einzuleiten, die in Genesis, Kap. 42 — 45 von dem Aufbruch der Brüder aus Kanaan an bis zur grossen Erkennungsszene im Palaste des Vizekönigs in so überaus dramatischer Weise geschildert wird. Von diesen Beweggründen geleitet, soll Josef beispielsweise Edikt II (Zulassung nur je eines Lastesels für jeden Käufer) erlassen haben, um dadurch der Möglichkeit vorzubeugen, dass etwa nur 2 oder 3 seiner Brüder als Sendboten der Uebrigen nach Aegypten musste Menasse immerhin ein sehr, sehr jugendlicher P&ssdezernent gewesen sein. Wir möchten diesem Einwand keine allzugrosse Bedeutung beimessen, denn kein Gesichtspunkt steht der Möglichkeit entgegen, dass Menasse, als der ältere von Josefs Söhnen, bereits vor Beginn der Ueberschussjahre zur Welt gekommen ist. Für die Auffassung des Midrasch spricht insbesondere auch der Umstand. da3s der im weiteren Verlauf der Bibelerzählung erwähnte מליץ, wegen seiner Kenntnisse des Hebräischen, Menasse gewesen sein soll und dass, wie die Kriegserfahrungen uns gelehrt haben, hervorragende Kenntnisse der Auslandssprachen für die Passvollzugsorgane geradezu unerlässiich sind. — Die vom Midrasch erwähnten Proben hervorragender Körperstärke, die Menasse späterhin beim Zusammentreffen mit seinen Oheimen an den Tag legte, lassen übrigens auch die Möglichkeit zu, dass er in frühester Jugend auch auf geistigem und organisatorischem Gebiete Ungewöhnliches zu vollbringen im Stande war und sich somit als Passreferent hervorragend qualifizierte. n) Um naheliegende Missverständnisse hintanzuhalten, sei übrigens bemerkt, dass das hier und an anderen Midraschstellen für Pässe gebrauchte Wort פתקים״“ mit unserem modernen ״Pass“ etymologisch in keiner Weise zusammenhängt. Unser Wort ״Pass“ stammt von dem französischen ״passer vorübergehen lassen“, bezw. von dem lateinischen ״passus Schritt“. Das Wort פתק dagegen ist abznleiten von dem griechischen riTTaxiov Schreibtafel, Brief. 5