Mannheim
Compact Memory

Jeschurun · 1925-05-01 · Heft 5-6 (Mai 1925) · p. Seite 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
12 (1925)
Issue
Heft 5-6 (Mai 1925)
Date
1925-05-01
Page
Seite 230 (sequence 60)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/2292929-2293034-2293038--07657-2300939
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

230 Die sieben ägyptischen Hungerjabre Mesopotamien gedrungen sein — aber diese gleich einem Roman klingenden Erzählungen waren allenthalben auf Zweifel und Unglauben gestossen, zumal dort keine Üeberschussmengen vorhanden waren, die ein weiser Ernährungsdiktator hätte aufspeichern und der Allgemeinheit späterhin dienstbar machen können. Zu Beginn dieser Leidensperiode galt es nun für Josef durch eine systematisch aufgebaute ״Planand Vorrats Wirtschaft“, die sich von voreiligen und überstürzten Abschnürungen und Drosselungen des ägyptischen Wirtschaftslebens und von verhängnisvollen Repressalien des Auslands fernzuhalten verstand, einerseits die einheimische Bevölkerung zum ״Durchhalten44 zu begeistern* andererseits aus der steigenden Nachfrage des Auslands nach den von ihm thesaurierten Eornmengen die entsprechenden materiellen Vorteile für das ägyptische Schatzamt und für die ägyptische Wirtschaft einzuheimsen. Haben wir es doch Jahrtausende später in ungleich humaneren Zeitläuften miterlebt, wie die Vereinigten Staaten von Amerika vom Ausbruch des Weltkrieges an bis za ihrem eigenen Eintritt in denselben ihre Zerealien- und Rohstoff- Überschüsse ״allen Ländern44, d. h. allen in Europa kämpfenden Nationen, skrupellos verkauften, wofern der Käufer nur Geldzahlungen dafür leisten und Schiffe schicken konnte, לעבר אכל um diese Lebensmittel abzuholen! Unter diesen Umständen war es begreiflich, dass Josef, der wohl wusste, dass die von ihm bis zum Dache gefüllten Speicher dem inländischen Ansturm der 7 Hungerjahre gegenüber mehr als ausreichend ) gerüstet waren, zunächst ein *) lieber den Umfang der ״unmessb&ren“ und ״unzählbaren“ Getreide- und Lebensmittelmengen, die Josef in den Ueberschussjahren für die Zeit der Hungersnot angesammelt hatte, liegen uds von verschiedenen Kommentatoren verschiedene Schätzungen vor. Die weitgehendste dürfte jene des פירוש מתרז״ו zum Midrasch Babba bilden, der aus dem Gleichklang des והיה האכל לפקד־ן und פקוד יפקוד אלקים אתכם ableiten will, dass האוצרות שכנס יוסף לא כלו עד יום מותו, Josefs Lebensmittelreserven zur Not noch bis zu seinem eigenem Tode — das waren also annähernd 80 Jahre — ausgereicht hätten. Durch welche Mittel es ihm gelang, Lebensmittel 80 lange zu konservieren, braucht hier nicht weiter erörtert zu werden, zumal bekanntlich die Aegypter in der Kunst, den menschlichen Körper durch Einbalsamierungskünste Jahrtausende lang

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.