Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 228 (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
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228 Die sieben ägyptischen Hungerjahre Die sieben ägyptischen Hungerjahre*). Eine wirtschaftliche Studie. Von Kommerzienrat Sigmund Fraenkei-Münclien. Die Erinnerung an die wirtschaftlichen Bedrängnisse und Entbehrungen der jüngsten Kriegs- und Nachkriegsjahre beginnt in unserem leichtlebigen, rasch vergesslichen Geschlecht mehr und mehr zu verblassen. Wie wenigen von uns haften die Körper und Geist in gleichem Ausmasse zermürbenden Auswirkungen der Brot-, Miich- und Fleischkarte noch im Gedächtnis! Nachdem sich allmählich die letzten Ueberreste und Auswirkungen von Verkehrs- und wirtschaftspolitischen Hemmungen und Beschwernissen jener Leidenszeit in Deutschland za verflüchtigen beginnen, dürfte vielleicht eine kleine Parallele zwischen der jüngsten Vergangenheit und jeneiMassnahmen, die in grauer historischer Vorzeit in Perioden höchster wirtschaftlicher Bedrängnis zur Milderung der letzteren ergriffen wurden, auch weiteren jüdischen Kreisen von einigem Interesse sein. * * Der wundersame Traum des Pharao von den sieben armseligen Kühen, die die sieben fetten, von den sieben dünnen, vom Ostwind verdorrten Aebrea, die die sieben goldenen verschlungen hatten, schien בפתריגו, getreu nach der Deutung, die Josef ihm gegeben, in Erfüllung zu gehen. Wohl waren im Aegypterlande sieben Jahre eines niemals dagewesenen landwirtschaftlichen lieberflusses und Ueberschusses eingekehrt, wohl hatten die Getreide- Produzenten freiwillig und freudig das vorgeschriebene ״Fünftel“ ihres Ertrages an die staatlicherseits eingerichteten Kornspeicher *j Der obige Aufsatz will die Josefgeschichte, wie sie sich in der Auffassung der aggadischen Midraschim wieder״ spiegelt, von der Einstellung zur Wirtschaftsgeschichte aus beleuchten. Wenn der Midrasch auch zweifellos nicht immer als Geschichtsquelle im wissenschaftlichen Sinne gewertet werden kann, so hat der Vf. es doch Terstanden, durch seine Behandlung des Themas so geistvolle Parallelen zu konstruieren, dass wir hoffen dürfen, den Lesern des Jeschurun in sehen Ausführungen eine willkommene Gabe zu bieten. Der Herausgeber.