Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 227 (sequence 57)
- Language
- German
- Belongs to
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Die jüdische Geschichte usw. 227 betrachten wir uns lediglich als die Gebenden; dankbar empfinden wir, wie im Laufe der Jahrtausende das jüdische Volk wertvolle Anregungen und Förderungen genossen seitens der anderen Nationen. Haben doch schon die grossen palästinensischen Amoraim des dritten Jahrhunderts die Aneignung hellenischen Schönheitsgefühles als verdienstvolle Aufgabe Israels bezeichnet. In ihrem Sinn betrachten wir die enge Verbundenheit eines grossen Teiles des jüdischen Volkes mit dem heutigen europäischen Kulturleben als wertvolle Errungenschaft. Wie der wahre Lehrer sich dem Schüler gegenüber mehr als empfangend denn als gebend fühlt, so kann das Gttesvolk seine weltgeschichtliche Aufgabe als Erzieher der Menschheit nur erfüllen, wenn es, tief eindringend in ihr Geistesleben, dessen wertvollste Schätze intellektueller wie ästhetischer und auch sozialer und ethischer Art in sich aufnimmt, sie mit dem ihm eigenen religiösen Geiste durchsetzt und in dieser durch Gttesgebundenheit erhöhten Form den Völkern wieder darreicht. Nicht, sich den anderen assimilierend, auch nicht, beruhrungslos von ihnen sich absondernd, sondern mit ihnen lebend, in ständiger Wechselwirkung gebend und empfangend, die Herrschaf: Gttes den Nationen zu künden, sie zu dem ihm selbst gestellten Ziele der Gttesvolksschaft hinzuführen, erscheint uns die welthistorische Aufgabe Israels. Das bewusste oder unbewusste Hinstreben zu diesem Ziele betrachten wir als den Sinn der jüdischen Geschichte. Es gibt uns den Ausblick auf die prophetische Verbeissung für die Zeit der Erfüllung der Menschheifsentwickelung: Und es wird sein am Ende der Tage, da wird fest gegründet stehen der Berg des Gtteshauses über allen Bergen und erhaben über den Hügeln. Zu ihm werden hinstrlmen alle Nationen. Viele Völker werden ihm zustreben und sprechen: ״Auf, lasst uns ansteigen zum Gttesberge, zum Hause des von Jakob gekündeten Gttes, dass Er uns lehre von seinen Wegen und wir wandeln auf seinen Pfaden, denn von Zion gelt aus die Lehre und das Wort Gttes von Jerusalem.“