Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 225 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die jüdische Geschichte usw. 225 sich der trockene Bericht des jüdischen Martyriums im Mittelalter bis tief in die neue und neueste Zeit hinhin. Was im Namen der Religion oder des Nationalismus gegen den Jakobsstamm gesündigt ist, bildet den dunkelsten Punkt der Geschichte des Abendlandes. Von der beharrlich veitergehenden Entrechtung durch die letzten Kaiser Roms und Byzanz’ bis zu den viehischen Bluttaten verrohter Pöbelhaufen und dem mordgierigen Fanatismus entmenschter Priester, all dieses beispiellose Leiden konnte das jüdische Volk aufs tiefste verwunden und niederdrücken, aber nicht zerbrechen. Aller Bedrückung und Verfolgung stellt Israel seine Gttesvolksschaft und seine Hoffnung auf gttliche Hilfe entgegen. Immer wieder wendet es betend sein Auge zum Himmel: ״Trotz alledem haben wir deinen Namen nicht vergessen, 0 auch du, vergiss unser nicht!״ — Und unzerstörbar erweist sich das jüdische Volk. Despotenzorn und Pöbelhass schwört ihm den Tod, und es lebt. Weltreiche entstehen und vergehen, Nationen erheben sich und steigen hinab, der Jakobsstamm bleibt bestehen. Gerade durch das Ausharren trotz sicher scheinender Vernichtung erweist Israel sich als das wahre Priestervolk als עבד ד׳, den Gttesdiener, der im Leiden Zeugnis ablegt für seinen Herrn, den Herrn und Schöpfer des Weltalles. In einem Querschnitt von gigantischem Ausmasse sehen wir Israel durch mehr denn 3V2 Jahrtausende als Zeitgenösse Babyloniens und Aegyptens, Athens und Roms bi3 zu den jüngsten Nationen des heutigen Europa und Amerika. Sei es in der Form eines eigenen Staates oder eines in die Verbannung verpflanzten Volkes, sei es als eine in tausend Splittern über den ganzen Erdball zerstreuten Diaspora, immer ist Israel eine von den Völkern der Welt innerlich verschiedene Nation, die Religionsnation, die nicht gemessen werden kann nach den wesentlichen Merkmalen der anderen Völker, und doch steht es zwischen diesen und lebt untrennbar in ihrer Mitte, ihre Freuden und Schmerzen teilend, in die kleinsten Zellen ihres Wirtschaftslebens hineinverweht, ihr Geistesleben befruchtend und von ihm befruchtet, aber seine Eigenart bewährend. In seiner nach Jahrtausenden zählenden Geschichte