Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 12 (1925)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai 1925)
- Date
- 1925-05-01
- Page
- Seite 222 (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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222 Die jüdische Geschichte usw. der tiefere Grund, dass die grosse Mehrheit der toratreuen Juden sich vom Zionismus zurückhielt. Leicht verständlich ist e8; dass die meisten assimilierten Westjuden und auch die dünne Schicht ihrer assimilierten Gesinnungsgenossen in Osteuropa die zionistische Bewegung ablehnten. Aber auch unter den jüdisch sozialistischen Arbeitern Russlands fand der Zionismus als nationalistisch und bürgerlich starken Widerspruch. ln fast allen Kreisen verstand man allmählich, dass der Versuch der Assimilation eine Falschlösung der Judenfrage war. Selbst der förmliche Uebertritt zur Staatsreligion konnte nur einzelne restlos in die Landesbevölkerung untertauchen lassen; oft war auch diese Einzelflucht erfolglos. Für grössere Massen bedeutete der Verrat am Judentum keinen Schutz gegen den Antisemitismus, der allmählich immer mehr die Form des Rassenhasses annahm und sich in gleicher Weise gegen getaufte wie ungetaufte Juden wandte. Am Vorabend des Weltkrieges war die Lage des jüdischen Volkes von furchtbarer Tragik, um so mehr, als man sich in weitesten Kreisen ihrer ganzen Schwere bewusst war. Neben einer politisch erträglichen, wirtschaftlich im ganzen günstigen Stellung der westjüdischen Minderheit lag das schreckliche politische und wirtschaftliche Martyrium der grossen ostjüdischen Massen. Am entsetzlichsten war aber die seelische Haltlosigkeit der des Glaubens an das Judentum und die Judenheit Beraubten, deren Zahl im Westen und Osten ständig zunahm. Nur eine kleine Minderheit glaubte wirklich an das zionistische HofTnungsideal. Aber innerhalb der dem Gttesgesetze treu Gebliebenen begann ein Wiederaufkeimen der Erkenntnis von der Einzigartigkeit des jüdischen Volkes, dessen Wesen weder durch die Eigenschaften einer Nation noch durch die einer Religionsgemeinschaft restlos zu erklären ist. Eng verbunden hiermit erstarkte der Wunsch, all die Millionen der Toratreuen organIsatorisch zusammenzufassen als den Willensausdruck des jüdischen Volkes, sich weder individuell noch in seiner Gesamt-